Kategorien
Allgemeines

Wiesengedanken

Mit Gras bewachsener Feldweg

Dies ist meine zweite Wiesenpflücksaison. Das macht mich irgendwie sehr stolz – dass ich es wirklich mache: rausgehen, die Taschen voll mit Wiese zurück nach Hause bringen und diese dann an die Kaninchen verfüttern. Ich empfinde das als ein wahnsinnig schönes Gefühl.

Mir fallen dabei immer wieder Dinge auf. Manche davon sind mir auch letztes Jahr schon aufgefallen, manche sind neu. Von diesen Wiesengedanken möchte ich euch heute berichten. Vielleicht – hoffentlich – bin ich ja nicht die einzige.

Qualität und Quantität

Ich achte beim Pflücken schon sehr darauf, nur schöne Pflanzen mitzunehmen. Also klar, kein Grauschimmel, nicht von Krabbelvieh bevölkert und nicht direkt an einem Haufen Kot irgendwelcher Tiere.

Es gibt aber definitiv Tage, an denen ich nur pflücke, weil die Kaninchen etwas zu essen brauchen. Dann stehe ich einfach nur da und rupfe hier und da etwas von der Wiese und stopfe es in die Tasche. Hauptsache, sie wird schnell voll und dann geht’s wieder nach Hause.

Im Gegensatz dazu habe ich manchmal richtig Lust, schneide ordentlich mit meiner Schere die Pflanzen ab und lege sie ebenso ordentlich in die Tasche.

Kennt ihr das auch?

Aus Fehlern lernt man

– oder auch nicht.

Ich weiß, dass ich beim Pflücken immer Handschuhe tragen sollte. Stacheln, Widerhaken und Dornen sind ebenso wie Brennnesseln und phototoxische Pflanzen wirklich kein Spaß, wenn sie einen erwischen und es dann blutet, brennt und juckt. Trotzdem vergesse ich die Handschuhe meist oder bin zu faul, sie an- und auszuziehen. Ich weiß auch nicht warum.

Meistens sitze ich dann zu Hause und bewundere meine neusten Kratzer, Pusteln und roten Stellen. Es ist wirklich unverantwortlich und etwas, das ich nicht empfehlen kann.

Obwohl ich eigentlich ganz genau weiß, an welchen Pflückstellen der Boden gut genug ist, um die Löwenzahnblätter einfach so abzuziehen, passiert es mir leider hin und wieder noch, dass ich es vergesse, und schwupp – habe ich die ganze Pflanze mit Wurzel in der Hand.

Nach einem tiefen Seufzen und Über-mich-selber-Ärgern passiert es dann an der Stelle zumindestens für eine Weile nicht mehr. Aber irgendwann stehe ich doch wieder da und verdrehe die Augen.

Kleiner Tipp hierzu:

Es sollte natürlich nicht passieren, dass ihr im Eifer des Gefechts ganze Pflanzen entwurzelt. Vor allem nicht immer wieder. Sollte es aber einmal passieren, dann:

  • nehmt sie einfach so mit. Auch Wurzeln können verfüttert werden. In der freien Wildbahn essen Kaninchen auch die Wurzeln von Pflanzen und können diese gezielt ausbuddeln.
  • steckt die Pflanze zurück in das Loch, wo ihr sie her habt, macht ein bisschen Erde drumherum und drückt sie wieder fest. So hat die Pflanze eine Chance, doch weiter zu leben.
  • nehmt sie so mit und pflanzt sie bei euch zu Hause irgendwo ein. Ob im Garten, Blumenkasten oder Grünstreifen vor dem Haus. Quasi zum später Holen und Verfüttern.

Schere, Hand, Maschine

Gartenschere und Gartenhandschuhe liegen im Gras

Wie gerade erwähnt ist es immer besser, ordentlich mit einer Schere zu pflücken als grob mit der Hand an den Pflanzen zu ziehen.

Mit der Schere kann man viel präziser arbeiten und wirklich nur die guten Sachen mitnehmen. Mit der Hand riskiert man nicht nur, die ganze Pflanze mitzunehmen, sondern auch Laub, das sich auf oder zwischen den Blättern gesammelt hat, oder kleine Plastikfolien. Beides ist nervig und der Müll sogar gefährlich, wenn ihr ihn nicht vor dem Füttern entdeckt und entfernt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ihr Blüten besser stehen lassen könnt – für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln zum Beispiel. Meine Kaninchen sind dazu auch gar nicht so die Blütenfans. Die vom roten Klee werden mal mitgegessen, aber sonst? Das meiste bleibt liegen. Daher tue ich mir direkt den Gefallen und versuche, die farbenfrohe Pracht auf der Wiese zu lassen. Sonst denke ich, ich habe eine volle Tasche, und dabei wird ein Drittel davon gar nicht gegessen. Davon hat niemand etwas, weder ich noch die Kaninchen und schon gar nicht die Natur. Nur die Biotonne wird schneller voll.

Es gibt auch so kleine Rasenschneidemaschinen. Da wollte ich mir mal eine besorgen und sie testen. Ich denke, mit ein wenig Übung könnte das ein guter Kompromiss zwischen „viel auf einmal“ und „ordentlich genug“ sein. Für faulere Tage, an denen es schnell gehen muss. Vielleicht auch für den einen oder anderen Bundad ein tolles Spielzeug – so zumindestens meine Theorie.

Der Cheerleader-Effekt

Wer wie ich eine gewisse Sitcom gesehen hat, in der es in neun Staffeln darum geht, wie ein Mann die spätere Mutter seiner Kinder kennenlernt, weiß was damit gemeint ist. Für alle anderen hier eine kleine Erklärung: Der Cheerleader-Effekt beschreibt das Phänomen, dass etwas in einer Gruppe besser aussieht, als es eigentlich ist und einzeln betrachtet ernüchternd wirkt. Das habe ich wirklich schon oft beim Pflücken erlebt. Früher bin ich manchmal darauf herein­gefallen, heute kann ich es besser abschätzen.

Ich meine damit, dass man manchmal eine Stelle auf der Wiese sieht, die total grün und reich an Pflückgut aussieht. Dann läuft man enthusiastisch dorthin, um festzustellen, dass es mehr Schein als Sein ist und auch nicht besser als da, wo man gerade eben noch stand und gesammelt hat. Von weitem sieht man die Abstände zwischen den Büscheln gar nicht so richtig und es wirkt wie eine durchgehende saftige Fläche, ein Teppich aus Kraut und Gras – und dann ist es das nicht. Sehr enttäuschend.

Bei Hügeln und Steigungen passiert mir das noch häufiger. Wenn es oben und auf der Fläche dahinter so wunderbar grün aussieht und man hochgeht, stellt man meistens fest, dass es von unten grüner und besser aussah.

Na ja, wir wissen ja alle: das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite des Hügels.

Das Gras wachsen hören

Gras und Löwenzahnblüten

Mit ganz normalem Gras habe ich ja überhaupt angefangen zu pflücken, um mir die Angst zu nehmen.

Eine Weile habe ich deswegen immer extra Gras gepflückt, zusätzlich zu dem, was man so nebenbei einsammelt. Irgendwann hatte ich das Gefühl, es ist zu viel Gras und man sammelt sowieso schon genug mit. Dann hatte ich aber wieder das Gefühl, dass zu wenig Gras dabei ist. Mittlerweile habe ich meine Balance zwischen Kräutern und Gras gefunden.

Wenn ich mal ein bisschen mehr Gras habe, finde ich es mittlerweile auch nicht mehr schlimm. Schaut man sich eine Wiese an, ist ja dort auch viel Gras. In der Natur würden die Kaninchen also auch viel davon vorfinden und vermutlich auch essen.

Manchmal finde ich im Winter noch vereinzelte Büschel. Wenn ich diese dann mitbringe, freut sich gerade der kleine Agent Cooper wahnsinnig über die grünen Stängel. Ich habe mir also wirklich viel zu viele Gedanken über die Menge gemacht.

Vergissmeinnicht

Neben den oben erwähnten Handschuhen vergesse ich auch gerne mal ein Haargummi. Dann ärgere ich mich die ganze Zeit darüber, dass meine Haare mir im Gesicht herum­hängen und mir die Sicht versperren. Ich liebe meine Haare, deshalb trage sie zu 99% offen und vergesse dann, dass sie mich beim Pflücken so oft nerven. Ich friemel sie dann meistens in meine Kette oder knote sie irgendwie notdürftig zusammen. Beim ständigen Bücken und Aufstehen hält das aber auch oft nicht lange.

Nicht so nervig wie beim Band für die Haare und dem Schutz für die Hände ist es, wenn ich meine Schere vergesse. Ein paar Mal stand ich schon an Ort und Stelle und wollte loslegen, als ich bemerkte dass meine Schere noch zu Hause liegt. Dann läuft man unverrichteter Dinge wieder nach Hause und nochmal los.

Brillenträger werden das bestimmt aus ihrem Alltag kennen: die von der Nase gleitende Brille, wenn man sich bückt, um zu pflücken. Passiert mir sehr oft mit der Sonnenbrille.

Zum Glück ist das alles nicht so gefährlich wie die Tatsache, das ich zu vergessen scheine, dass Zecken existieren. Mit nackten Beinen, in Ballerinas und leicht bekleidet schlendere ich los, durchs hohe Gras, in den Wald und über Wiesen. Bisher hatte ich noch nie eine Zecke, und mein Mann hilft mir dabei, sicherzustellen, dass ich mir keine mit nach Hause gebracht habe. Die paar Male, wo ich an diese Gefahr gedacht habe und mich besser gekleidet habe, durfte ich feststellen, das Brennesseln auch durch Strumpfhosen stechen.

Dafür vergesse ich nie Sonnencreme, um mich vor den UV-Strahlen zu schützen!

Worüber ich ebenfalls froh bin, es nicht vergessen zu haben, sind die Pflanzen. Ich hatte mir ein bisschen Gedanken dazu gemacht, ob ich es schaffe, alle Pflanzen zu behalten, die ich letztes Jahr gelernt hatte. Bisher würde ich sagen, dass ich noch alle wiedererkenne oder zumindestens weiß: „Ah ja, das war irgendwie so was und darf auf jeden Fall gegessen werden.“

Auch an Stellen, wo „seltenere“ Pflanzen wachsen, konnte ich mich sehr gut erinnen.

Eins für Dich, eins für mich

Brombeerbusch

Beim Sammeln für die Kaninchen kann man tatsächlich auch Dinge für die eigene Küche finden und mitnehmen.

Die meisten dürften schon einmal wilde Brombeeren gesammelt haben, manche sicherlich auch wilde Erdbeeren. Aber neben den Früchten kann man auch Bärlauch, Giersch, Knoblauchrauke, Oregano, Minze, Beifuß und vieles mehr finden und sammeln. Wir haben zum Beispiel einmal Rosenlauch gefunden. Der war superlecker.

Denkt also daran, eine kleine Extratasche oder eine Dose mitzunehmen, wenn ihr wieder losgeht. Denn es ist ärgerlich, etwas stehen lassen zu müssen, nur weil man nicht das Nötige dabei hat, um es zu transportieren.

Für den Fall der Fälle habe ich auch für die Kaninchen immer eine Tasche mehr mit, als ich eigentlich pflücken möchte. Denn manchmal findet man eine Pflanze – zum Beispiel Wiesenbärenklau – ganz groß und viel an einer Stelle. Das packe ich dann immer gerne in eine Extratasche.

Lose Gedanken

Gerade im Frühling finde ich erstaunlich oft Löwen­zahn­blüten ohne die charakterist­ischen Blätter daran. Von weitem sieht man viele kleine gelbe Punkte und freut sich darauf, den Kaninchen die beliebte bittere Köstlichkeit mitzubringen – und dann stehen da nur Blüten. Später ist es natürlich eher umgekehrt, nachdem die ganzen Puste­blumen in Wünsche verwandelt wurden.

Ein Gedanke, der mir sehr am Herzen liegt, ist das nachhaltige Pflücken. Pflanzen mit Wurzel herausreißen ist schon einmal nicht nachhaltig. Ich versuche, von einer Stelle immer nur so viel wegzunehmen, dass noch zwei weitere Bunpawrents dort pflücken könnten. Die wilden Tiere brauchen diese Wiesenpflanzen immerhin auch.

Blüten lasse ich zu ca. 95% stehen. Ich nehme auch ich nicht unnötig Samen mit – wie soll die Pflanze sich sonst verbeiten? Ich möchte ja voraussichtlich noch 8-10 Jahre weiter dort Wiese sammeln, da sollte dann auch noch eine Vielfalt herrschen. Dafür trage ich beim Pflücken auch Verantwortung. Ich achte auch darauf, nicht unnötig auf der Wiese herumzulaufen, um nicht irgendetwas zu zerstören.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in der Stadt wohne und pflücke, aber ich habe manchmal das Problem, nicht wirklich „durcheinander“ pflücken zu können oder eine große Vielfalt an einer Stelle zu finden. Ich muss viele Orte ansteuern und ein größeres Gebiet ablaufen, um auf eine Ad-Libitum-Ernährung zu kommen, die so ca. 30 bis 50 verschiedene Pflanzen beinhaltet.

Auf einem Hügel finde ich Mohn, Hirtentäschel, Kamille, Luzerne und Kompasslattich, einen Hügel weiter Spitzwegerich, Klee und Gras. Auf der anderen Seite des Hügels kann ich Pimpinelle und Schafgarbe einsammeln, dann geht es weiter zu einem Platz, an dem hauptsächlich Ackerschachtelhalm wächst und so weiter. Generell finde ich auch auf Wiesen solche Flecken, an denen an einer Stelle z.B. ganz viel Storchschnabel wächst, aber sonst auf der ganzen Wiese nirgendwo. Der nächste Fleck hat dann plötzlich Breitwegerich. Es ist kurios. Oder ist das normal und ich mache mir auch darum zu viel Kopf?

Um den Gedanken zu Ende zu denken

Wem geht es auch so oder ähnlich? Bitte sagt mir, dass ich nicht die Einzige bin, die so vieles Verschiedenes beim Wiesepflücken denkt und der Dinge auf- und einfallen.
Wer erinnert sich auch manchmal ganz pötzlich daran, welchen Podcast, welches Lied er zuletzt gehört hat oder welches Gespräch sie mal geführt hat, als sie dort vor ein paar Wochen oder letztes Jahr schon Wiesenbärenklau abgeschnitten und in ihren Korb gelegt hat?

Ich freue mich auf eure Wiesengedanken!


Besuche uns auf Instagram
Teile diesen Beitrag

Eine Antwort auf „Wiesengedanken“

Also meine Wiesengedanken:

Mist, ich hab mein Handy mit der Pflanzenbestimmungsapp vergessen.

Menno, warum lassen die die Wiese so hoch werden.

Hoffentlich bekomm ich keine Zecke.

Oh nö, ich glaube ich hätte feste Schuhe anziehen sollen.

Ich hab keine Zeit mehr aber noch nicht genug gepflückt.

Und dann gehen mir Dinge durch den Kopf die tagsüber so waren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner