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Übergewicht bei Kaninchen

Schwarzes Zwergkaninchen mit weißer Nase und Pfoten sitzt vor einem Heuschober

Es fällt mir nicht so leicht, darüber zu schreiben und es zuzugeben, aber Lady de Winter wiegt zu viel.

Ich füttere ad libitum frisches Grünfutter, im Gehege ist Platz und Treats gibt es nur ab und zu in Form von Leinentalern und Kümmelflocken – und trotzdem ist es passiert. Die Tierärztin sagt, die Ursache sei eine unglückliche Kombination aus ihrer Kastration und der Winterfütterung.

Ich werde nun auf die sich daraus ergebenden Probleme und die möglichen Risiken eingehen sowie von unseren Maßnahmen und dem weiteren Vorgehen erzählen, um eine Gewichtsabnahme zu erreichen.

Probleme

Das Problem, das am häufigsten hier bei uns auftritt, ist das Sauberhalten ihres Hinterteils. Durch die Fettschicht am Bauch kommt sie nicht mehr so gut unten an ihren Po, um ihn nach dem Klogang selbstständig sauber zu halten. An ihren Blinddarmkot kommt sie auch nur bedingt. Man sieht ihr an, dass es sie anstrengt.

Leider führt das dazu, dass ich sie desöfteren mal unten mit einem Babyfeuchttuch abwischen und sogar manchmal baden oder das schmutzige Fell abschneiden und herauskämmen muss. Das ist extrem stressig und unangenehm für alle Beteiligten. Es kostet auch viel Zeit und man muss vieles beachten. Zum Baden aus medizinischen Gründen mache ich noch mal einen gesonderten Beitrag.

Schwarzes Zwergkaninchen mit Grasball

Generell fällt ihr die Fellpflege überall schwerer. Die Wamme hängt auch ein wenig im Weg und sie sieht einfach ungelenkiger aus als ihr Partner.

Ein Kaninchen hat ja auch nur einen kleinen Körper, in dem alles, wie z.B. Organe, untergebracht werden muss. Wenn sich da etwas hinzugesellt, das nicht da sein sollte, leidet alles – in unserem Fall besonders der Darm. Auf Röntgenbildern sieht man, dass ihr Darm weniger Platz hat und dadurch natürlich viel leichter verstopfen kann. Dies kann dann zu lebensbedrohlichen Verdauungsstörungen führen; diese wiederum ziehen hohe Tierarztkosten und nervenaufreibende Medikamentenverabreichungen nach sich.

Ein weiteres Problem ist ihr Aussehen. Am Anfang ist es mir gar nicht so sehr aufgefallen, aber im Vergleich zu älteren Aufnahmen von ihr oder neben Agent Cooper sieht man es schon deutlich und es sieht falsch aus. Gar nicht so schlank und lang, wie es Kaninchen normalerweise sind. Beim Hochheben, um sie zum Beispiel zu bürsten, waschen oder andere notwendige Dinge zu tun, merkt man auch einen deutlichen Unterschied im Gewicht. Ich könnte alleine daran mit verbundenen Augen unterscheiden, wer wer ist.

Allgemein sagt man ja, solange man ohne Probleme die Wirbelsäule des Tieres und die Rippen spüren könne, sei das Gewicht in Ordnung. Beides geht bei Lady de Winter problemlos – und trotzdem ist es zu viel. Allein darauf kann man sich also nicht verlassen.

Risiken

Von den Problemen, die zur Zeit bestehen, komme ich nun zu denen, die noch kommen könnten.

Übergewicht geht, wie bei uns Menschen auch, unter anderem auf die Gelenke. Sie hat also ein höheres Arthroserisko. Dadurch hätte sie natürlich Schmerzen und würde in ihrem natürlichen Bewegungsdrang und ihrer Sprungakrobatik gehemmt.

Ein kotverschmiertes Hinterteil ist im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen für Fliegenmaden. Der Sommer rückt immer näher und damit steigt dieses Risiko täglich.

Durch das Mehrgewicht ist das Bewegen anstregender. Auch das Herumtollen und Fangen spielen mit dem besten Freund wird schnell schwierig. Daher kann es vermehrt zum faulen Herumliegen kommen. Das würde wieder Verdauungsprobleme fördern, die Muskeln schwächen und kann sich deprimierend auswirken.

Ein weiteres Risiko, das mir einfällt, ist die Gefahr einer Pododermatitis. Dies ist vereinfacht gesagt eine Entzündung der Haut an der Fußsohle. Das ist schmerzhaft bei jedem Schritt und kann verschiedene Stadien haben, die unterschiedlich zu behandeln sind.

Zwischenfazit

Man kann also sagen, dass Übergewicht bei Kaninchen schwerwiegende Folgen in den verschiedensten Formen haben kann, die bis hin zum Tod des geliebten Tieres führen können. Stressig, teuer und unangenehm ist es allemal.
Was kann man da also tun?

Maßnahmen

Schwarzes Zwergkaninchen mit weißer Nase und Pfoten sitzt auf Balkon neben einem Birkenast

Ich habe mich viel belesen und beraten lassen, was ich tun kann, damit ihr Gewicht wieder Richtung normal geht.

Die einfachste Maßnahme ist, das Futter umzustellen und anzupassen. Solange die Winterfütterung im vollen Gang ist, gibt es hier jetzt keinen Schwarz- oder Palmkohl mehr. Die Grünkohlmenge wird reduziert und der Anteil an Bittersalaten und weniger energiereichen Kohlarten wie z.B. Chinakohl erhöht. Die Menge an Küchenkräutern wird ebenfalls heruntergefahren. Und, ganz klar, die Treats fallen praktisch weg oder werden durch gesündere Dinge ersetzt. Meistens nehme ich jetzt Thymian und Petersilie.

Wichtig: auf keinen Fall weniger füttern und dadurch die Kalorien künstlich verknappen! Auch übergewichtige Kaninchen brauchen rund um die Uhr unbegrenzten Zugang zu frischem und blättrigem Futter.

Nicht nur über die Ernährung kann man einlenken, sondern auch durch Bewegung. Jetzt kann man ja nicht mit dem Kaninchen spazieren gehen oder zum Sport. Auch es zu jagen, damit es rennt, ist eine schlechte Idee.

Man kann jedoch die Neugierde anregen, indem man das Gehege möglichst oft umstellt. Das muss nicht immer im großen Stil sein – manchmal reicht es auch, zwei Häuschen zu vertauschen, eine Brücke durch eine andere zu ersetzen oder den Inhalt der Buddelkiste auszutauschen.

Eine Schnüffelecke oder -box kann auch zur Bewegung animieren. Hierzu kann man neue Einrichtungsgegenstände kaufen oder einfach Alltagsgegenstände zweckentfremden. Auch in der Natur kann man tolle Materialien finden und sammeln, um das Gehege spannend zu halten.

Eine tolle Idee, die auch noch alle Tiere beschäftigt, ist, sie das Futter erarbeiten zu lassen. Hier kann ein Futterbaum oder eine Futterleine zum Hochhängen des Futters helfen. So müssen sie sich strecken und können nicht einfach gemütlich im Liegen ein Blatt nach dem anderen verputzen. Ist also auch wunderbar gegen Langeweile.

Wenn das Tier dem nicht abgeneigt ist, bietet sich natürlich das Üben von Tricks an. Männchen machen, Pfötchen geben, auf zwei Beinen laufen oder im Kreis drehen sind nicht nur süß zu beobachten und stärken die Beziehung zwischen Halter und Tier, sondern fördern auch die Bewegung. Am besten mit Belohnungen wie Kräutern oder Futter, das es nur noch selten gibt, aber – wie in unserem Fall Schwarz- und Grünkohl – heißgeliebt ist, arbeiten.

Das offensichtlichste zum Schluss: die regelmäßige Gewichtskontrolle. Ob nun beim Tierarzt oder zu Hause. Man muss ja wissen, ob die Maßnahmen ausreichend sind und den gewünschten Erfolg bringen oder ob man noch mehr hinterher sein muss. Man sollte sich aber auf etwas Langfristiges einstellen.

Das sind meine Erfahrungen, Tipps und Maßnahmen, die zum jetzigen Zeitpunkt schon zum Einsatz kommen. Aber ich habe noch mehr vor.

Weiteres Vorgehen

Schwarzes Zwergkaninchen mit Spielzeughantel

Am einfachsten wird es natürlich, wenn die Pflücksaison wieder beginnt und ich wieder ad libitum Wiese füttern kann. Dadurch sinkt die Kalorienmenge automatisch, denn die Winterfütterung ist immer energiereicher als die Wiesenfütterung.

Ich bleibe auf jeden Fall dran, was das Umstellen und Futter erarbeiten angeht. Dafür habe ich auch schon neue Dinge gekauft und eingesetzt.

Eine weitere Ebene ins Gehege einzubauen ist nicht nur ein Vorsatz und Wunsch, sondern würde auch für mehr Bewegung sorgen. Das ist natürlich kostspielig und zeitaufwändig – schließlich sollte die Plattform stabil, sicher, gerade, groß, langlebig und trotzdem einfach zu reinigen sowie praktisch beim Saubermachen sein.

Viola Schillinger von Kaninchenwiese.de bietet eine telefonische Ernährungsberatung an, bei der sie sogar die Bedarfskalorien des individuellen Kaninchens auf Diät berechnet und einem mit wertvollen Tipps zur Seite steht. Daher möchte ich zeitnah einen Termin dafür buchen.

Zu guter Letzt haben Lady de Winter und ich Mitte Februar einen Tierarzttermin, bei dem wir besprechen, wie sinnvoll es ist, ihr Blut abzunehmen und ihre Schilddrüsenwerte sowie andere Dinge im Blutbild abzuklären. So lässt sich eine Gewichtszunahme durch eine unerkannte Krankheit ausschließen und sicherstellen, dass nicht irgendetwas sie am Abnehmen hindert.

Ich habe in diesem Beitrag bewusst auf das Nennen von Zahlen und auf Bilder, auf denen man es “schön deutlich” sieht, verzichtet. Wie erwähnt, hat es mich viel Überwindung gekostet, darüber zu schreiben. Aber vielleicht geht es jemandem da draußen wie mir, und es ist doch schön zu wissen, dass man damit nicht alleine ist und dass es vielleicht noch das eine oder andere Neue zu lernen gibt.

Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare. Wollt ihr euch lieber anonym zu dem Thema austauschen, benutzt gerne das Kontaktformular oder schreibt mir bei Instagram.

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9 Antworten auf „Übergewicht bei Kaninchen“

Uns geht es mit Julius ja ganz genauso, von daher wünsche ich dir wirklich viel Geduld, weil ich weiß, was für ein langwieriger und frustrierender Prozess das sein kann 🙏🏻

Mit Elsa ist es dasselbe, Wirbelsäule zu spüren und vom Körper her ist sie auch nicht zu dick, bei ihr ist es echt nur die Wamme. Und daher wiegt sie auch so viel. Wir sind wieder ein paar Gramm runtergekommen, aber sie ist immer so aktiv, ich weiß nicht, was man da noch mehr machen könnte. Po ist zun Glück sauber, aber Geschlechtsecken gerne mal verklebt. Wünsche dir aber viel Glück.

Du bist nicht alleine mit diesem Thema. Unsere Nova hat auch zugespeckt, wodurch es vermehrt zu Darmthemen kam. Kein Durchfall direkt, aber viel zu breiig, extrem stark riechend und auch wir mussten immer wieder unterstützen, indem wir es mittels Tüchern entfernt haben. Über mehrere Monate hatten wir Snacks etc runtergefahren und sie hat 100g abgenommen- und während einer Krankheitsphase von Hades innerhalb von 2 Wochen wieder drauf gefressen… ich war am Boden! Mithilfe unserer Tierärztin haben wir Ende November die Ernährung angepasst- und sie hat inzwischen 200g verloren, ihre Wamme gibt es nicht mehr, die Darmprobleme sind massiv zurück gegangen.
Du siehst also: du bist nicht alleine. Und ich bin froh über deine Offenheit, dass es nicht nur mir so geht!!

Ich habe immer gedacht, dass Muffin etwas übergewichtig ist, wegen der dicken Wamme und eine Zeit lang, mussten wir sie auch baden. Unsere Tierärztin sagt aber immer, dass sie nicht übergewichtig ist. Seit Muffins Kastration hat sich dies aber zum Glück geändert.

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