Kategorien
Allgemeines

Treats

Schwarzes Kaninchen macht Männchen und riecht an einem Kleeblatt, das ihm von einer Hand als Treat gegeben wird

Leckerlies, Schmeckies, Leckerbissen, Leckerchen, Kleinigkeit. So viele verschiedene Bezeichnungen, wie es für Treats gibt, genauso viele verschiedene Dinge gibt es auch, um seine kleinen Fellknäuel zu verwöhnen.

Lest hier weiter, um zu erfahren, was es alles gibt, was ich füttere, welche bunten Leckereien absolut ungeeignet sind und warum es überhaupt Süßigkeiten für Kaninchen gibt.

Wieso überhaupt Treats?

Zum Überleben brauchen Kaninchen natürlich keine Leckerchen. Vom Standpunkt der Gesundheit der Tiere sind sie eher schädlich als nützlich. Und auch für eine ausgewogene, frische, grüne und blättrige Ad-Libitum-Ernährung sind Treats nicht notwendig.

Trotzdem gibt es sie nahezu überall zu kaufen. Auch als Geschenk hat jeder Kaninchenhalter bestimmt schon einmal bunte Leckerein für seine Lieblinge bekommen – und sich bestimmt geärgert, denn die bunten Dinge aus dem Supermarkt in bunten Plastiktüten von namenhaften Marken sind allesamt schlecht für unsere kleinen Mitbewohner. Nicht nur, dass sie ungeeignete Inhaltsstoffe haben, sie sind zudem auch Kalorienbomben und zu hart.

Ein hohes Glasgefäß mit Erbsenflocken - Treats von oben

Was meine ich mit zu hart? Kaninchen haben einen speziellen, empfindlichen Verdauungsvorgang, der beim Zerkleinen der Nahrung beginnt. Von Natur aus ist das Gebiss der Kaninchen zum gleichmäßigen Zermahlen der Nahrung ausgelegt – wie in einem Mörser oder zwischen zwei Mühlsteinen, als Beispiel.

Bekommt das Kaninchen nun etwas, das es nicht mahlen kann, kaut es das leckere Ding vor seiner Nase. Dafür übt es mit dem Kiefer und den Zähnen Druck aus, so wie wir Menschen. Da Kaninchen aber eigentlich mahlen und so ihre Zähne aneinander quasi abschleifen, kann es sehr schnell zu Verletzungen, Zahnfehlstellungen und sogar Abbrüchen kommen.

Wie ihr sicher wisst, wachsen die Zähne, wie auch die Krallen, bei Kaninchen immer nach. Wenn da jetzt einmal ein Unfall passiert und sich etwas im Kiefer verschiebt, dann muss das Kaninchen damit für immer leben.

Konsequenzen

Das Ergebnis davon ist, dass sich die Zähne nicht mehr ordentlich aneinander abschleifen können. So kommt es nach und nach zu immer mehr „Baustellen“ in der schönen Kaninchenschnute.

Eure Tiere haben dann Schmerzen, können ihre Nahrung nicht mehr richtig vorbereiten und weiterverarbeiten und entwickeln somit weitere Krankheiten. Verdaungsstörungen, Übergewicht und Nährstoffmängel können zum Beispiel dazugehören.

Nicht nur, dass eure Tiere dann leiden – ihr habt zusätzliche Sorgen und sehr hohe Tierarztkosten, die vermeidbar gewesen wären, wenn man nicht den süßen Keks in niedlicher Form gepresst verfüttert hätte.

Kompromiss

Oft wird der goldene Weg der Mitte gepredigt – einen Kompromiss zu finden zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen.

Ich finde es wichtig, Treats nicht allgemein zu verteufeln und abzulehnen. Sie können helfen, dem Tier ein gewünschtes Verhalten anzutrainieren, Tricks zu üben und die Bindung zwischen Halter und Tier zu stärken. Das alles ist aus der Sicht des Halters. Denn wir müssen uns bewusst sein, dass wir unseren Tieren um unserer selbst Willen Treats füttern.

Ein schwarz-weißes Kaninchen guckt aus einem Holzhäuschchen und isst Schwarzkümmel aus einer Hand

Weil es uns glücklich macht, wenn ein Tier freudig angelaufen kommt, sobald man mit einem Glas klappert.
Weil das Kind in uns vor Freude einen Radschlag macht, wenn das geliebte Tier einem aus der Hand isst, obwohl es eigentlich scheu ist und man es nicht streicheln darf. Weil es ein schönes Gefühl ist, wenn man mit den Tieren Zeit verbringt und man denkt, man tut ihnen noch etwas Gutes.
Weil man stolz sein kann, wenn das Tier sich Kommandos merken und umsetzen kann.

Wir machen das für unsere Emotionen und unsere Seele.
Das ist auch vollkommen okay, wenn man eben mit Sinn und Verstand füttert. Das heißt für mich: keine riesigen Mengen eines Treats auf einmal. Nicht einfach irgendetwas ins Gehege schmeißen, weil man gerade Langeweile hat. Nichts für Klicks und Likes auf ein Video oder Bild verfüttern, nur der Aufmerksamkeit wegen.

Ich habe deshalb auch schon Kooperationen abgelehnt.
Kommen wir jetzt zu der spannenden Frage:

Welche Treats darf man geben?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Jeder zieht die Grenze, was okay ist und was nicht, anders. Man kann sich da sicherlich um Kopf und Kragen diskutieren und streiten.

Ich persönlich entscheide nach Nutzen und Härte. Solange beim Verzehr des Treats immer noch mehr gemahlen als zerdrückt wird, ist es für mich in Ordnung. Am besten ist es, wenn man von einem kleinen zusätzlichen Nutzen der Leckerei ausgehen kann statt nur von einer Kalorienbombe.

Im Klartext heißt das:

Leinenflocken – Sie sind weich, lassen sich in ziemlich kleine Stücke brechen und sogar zu Staub zerkrümeln. Sie sollen durch ihren Ölgehalt beim Fellwechsel unterstützen und dem Fell einen schönen Glanz verleihen.

Leinenflocken in einem Glas von oben

Schwarzkümmel – gibt es in kleiner Körnerform als Küchengewürz oder auch als kaltgepresste Platten wie Leinenflocken zu kaufen. Sie können die Verdauung unterstützen, und ich gebe das gerne, wenn die beiden Medikamente benötigen oder Bauchweh haben.

Schwarzes Kaninchen hält eine Hand fest, um an den Schwarzkümmel darauf zu kommen


Anis- und Fenchelsamen – gibt es hier zum Selbsterarbeiten, in Futterbällen oder Intelligenzspielzeugen zum Beispiel. Sie sollen auch eine positive Wirkung auf die Verdauung haben. Sie riechen halt sehr intensiv und deswegen nutze ich sie gerne in Spielzeugen.

Zwei Gläser liegen nebeneinander. Das linke ist mit Fenchelsamen gefüllt, das rechte mit Anisssamen.

Das sind meine „gesunden Treats“, die ich in der Hoffnung auf eine unterstützende Wirkung füttere. Die beiden Kaninchen hatten in ihrem ersten Jahr bei mir viele Aufgasungen, Darmverschlüsse und Magenüberladungen. Um die Verdauung der beiden intakt zu halten, würde ich so ziemlich alles machen, bei dem ich das Gefühl habe, es hilft wirklich.

Cunis – nur eingeweicht in Wasser, Tee oder Medikamenten können sie ein echter Gamechanger sein, um den Kaninchen stressfrei Medizin zu geben. Man kann den Tieren einmal pro Tag einen in Wasser oder Tee eingeweichten Cuni geben. Wenn sie dann Medikamente bekommen müssen, kann es sein, dass sie nicht misstrauisch sind und den Cuni wie gewohnt mit Medikament essen.

Ungesunde Treats

habe ich auch da und die gibt es auch ab und an mal – in Ausnahmesituationen. Meine Nichten dürfen zum Beispiel zu diesen greifen und sie den Kaninchen geben, weil sie da ganz sicher angehopst kommen.

Ich nutze die Treats zum Beispiel, wenn ich das Gefühl habe, dass einer der beiden gerade wieder eine Verdauungs­problematik entwickelt und sich eine Inappetenz einstellt. Wird dieses Treat abgelehnt, weiß ich, es ist Alarmstufe rot angesagt.

Die folgenden Treats sind nur Kalorienbomben, zuckerhaltig und vielleicht zu hart. Ich bin mir bewusst, dass ich in der „Begründung” für die Treats vieles vermenschliche.

Getrockneter Apfel – ein reines just-for-fun-Treat, das immerhin nicht zu hart ist und das man selbst herstellen kann. Auch Birne eignet sich. Möhren kann man auch nehmen, manchmal werden diese aber zu hart, und dann gebe ich sie im Zweifelsfall doch nicht. Ich benutze sie gerne, um neue Tricks zu üben oder die Kaninchen zurück ins Gehege zu bekommen oder um mich nach dem Bürsten oder Tierarzt wieder einzuschleimen. Nicht immer, nicht viel, aber ab und an. Große Kalorienbombe, die im Zweifelsfall eher schadet als nützt.

Getrockneter Apfelchip, zwei gerocknete Birnenstücke und ein paar getrocknete Möhrenkrümel als Treats

Trockenkräuter – haben einen sehr hohen Kalziumgehalt und können unter anderem zu Blasengrieß führen. Ich streue jedoch immer gerne etwas davon in die Transportbox, wenn es zum Tierarzt geht. Manchmal geht dann immerhin ein Kaninchen freiwillig hinein, und im Stress schmeckt so eine kleine getrocknete Ringelblumenblüte halt besser als ein olles Salatblatt.

Ein Mix aus verschiedenen Trockenkräutern

Obst und Gemüse

Wie sieht es mit den natürlichen Dingen wie Obst und Gemüse aus?

Ja, Kaninchen können verschiedene Sorten essen. Jedoch muss man bedenken, dass Knollengemüse am Stück zu hart für die Zähne ist und Obst viel Zucker enthält. Der Zucker ist nicht nur schlecht, weil er dick macht, sondern auch weil er die Verdauung der Kaninchen verlangsamt, und das wollen wir nicht.

Knollengemüse wie Möhren, Pastinaken, Rote Bete und Knollensellerie sollten, wenn überhaupt, nur in dünnen Streifen gefüttert werden. Ein Sparschäler kann dabei helfen, diese zu erzeugen. Auch kleingeraspelt kann man sie ohne Angst um die Zähne verabreichen, um zum Beispiel die Medikamentengabe leichter zu gestalten. Zu einem leckeren Gemüsematschbrei sagt selten ein Kaninchen nein.

Bei Gurken sollte man wegen des Wassergehalts aufpassen. Zu viel kann zu Matschkot führen.

Obst ist zwar meistens weich genug – denken wir an Beeren, Melonen und Bananen – jedoch voll mit Zucker und sollte daher wirklich nur in kleinsten Mengen aus der Hand gefüttert werden.

Alternativen

Lady de Winter und Agent Cooper sind meine Emotional Support Animals und deshalb habe ich wirklich oft das Bedürfnis danach, mit den beiden zu interagieren oder mir den kleinen Dopaminkick abzuholen, den es mir gibt, wenn die beiden aus meiner Hand essen und freudig angehüpft kommen, weil ich sie rufe und sie erwarten können, dass es auch etwas gibt. Natürlich kann ich nicht den lieben langen Tag mit Treats um mich werfen und meine kleinen Momente des Glücks über die Gesundheit der beiden stellen.

Schwarzes und schwarz-weißes Kaninchen essen Ackerschachtelhalm

Es gibt zum Glück Dinge, die gesund für die beiden sind und die sie so gerne essen, dass sie sie auch aus der Hand nehmen oder dafür sogar angelaufen kommen – obwohl es sich um normales Futter handelt, das sie auch so finden könnten.

Die Wiesenkräuter Klee und Ackerschachtelhalm sind da die absoluten Spitzenreiter. Auch einen frischen Zweig kann ich den beiden hinhalten und sie knabbern dann daran herum. Und auch Küchenkräuter wie Thymian gibt es hier gerne aus der Hand. Die beiden mögen es und ich auch.

Schwarzes Kaninchen isst einen Stängel Thymian, der ihm von einer Hand gegeben wird

Schlusswort

Natürlich will niemand seinem Tier absichtlich schaden. Deswegen ist es wichtig, aufzuklären.

Man kann das nicht mit Menschen vergleichen. Klar essen wir auch Dinge, die sehr ungesund für uns sind, und auch manchmal zu viel davon. Natürlich essen wir zähes Karamell oder kauen auf Nougat herum, knacken mit unseren Zähnen Dinge, bei denen wir es eigentlich nicht sollten, und machen alle möglichen anderen Sachen, bei denen wir es eigentlich besser wissen sollten.

Es ist aber unsere Verantwortung. Die Tiere gehen nicht selbst los und kaufen sich harte Vitaminkugeln, bunte Milchdrops und gepresste Gemüseflocken. Das ist unser Tun – das müssen wir uns bewusst machen.

Besuche uns auf Instagram
Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner