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Tierschutz und Verantwortung

Im ersten Beitrag hier auf dem “Häschenblog” habe ich euch erzählt, was mich dazu bewogen hat, diesen Blog zu starten. Aber wisst ihr auch, warum ich mit Instagram angefangen habe?

Gründe für Instagram

Screenshot vom Instagram-Profil agent.und.lady

Der erste Grund war, dass ich das Gefühl hatte, meinem Umfeld mit den ganzen Kaninchenthemen auf die Nerven zu gehen. Bevor ich alle vergraule, weil ich “kein anderes Thema mehr habe”, habe ich mir das Profil angelegt – als Möglichkeit, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Da sich in kürzester Zeit bereits unglaublich viele Fotos und Videos angehäuft hatten und mein Handy ständig wegen zu wenig Speicherplatz meckerte, kam mir Instagram als sinnvolle Lösung in den Sinn. Außerdem habe ich mir davon erhofft, viel zu lernen, inspiriert zu werden und einfach viele supersüße Kaninchen zu sehen und ihr Leben zu begleiten.

Realitiät

Schwarzes und schwarz-weißes Zwergkaninchen mit Brombeerblättern auf Balkon

Am Anfang war ich noch sehr naiv und hatte nicht viel Ahnung von Kaninchen und einer artnahen Haltung. Daher bin ich jedem Profil gefolgt, das mir unter die Nase kam: privaten Haltern, Organisationen, Vereinen etc.

Bei keiner anderen Haustierhaltung kommt man wohl so schnell zum Thema Tierschutz wie bei den Kaninchen. So kommt es mir in der #bunnycommunity-bubble jedenfalls vor. Dadurch habe ich schnell festgestellt, dass ich aufpassen muss, nicht in einer negativen Spirale aus Leid, Quälerei und lauten Hilferufen zu verschwinden. Schon in der ersten Woche bei Instagram habe ich viel von Rettungsaktionen, Pflegestellen, Notstationen und Gnadenhöfen für Nager und Kleinsäuger gelesen und vor allem gesehen. 

Kaninchen in Not

Jeden Tag hat irgendwo irgendwer neue Kaninchen gerettet. Von Verkaufsportalen, von Bekannten, von jemandem, der jemanden kennt, der jemanden kennt. Die Gründe waren unzumutbare Haltungsbedingungen, eine drohende Schlachtung, ein Unfallwurf, ausgesetzte oder chronisch kranke Tiere, deren Halter die hohen Tierarztkosten nicht mehr tragen konnten oder wollten.

Wenn ich durch die Stories klickte, folgte manchmal ein Schicksalsschlag auf den nächsten. Dazu unzählige Spendenaufrufe von Vereinen, Tierheimen, Pflegestellen und Privatpersonen, die alle ihre Daseinsberechtigung hatten und bei denen einer dringender als der nächste klang. Es war manchmal überwältigend und genau das Gegenteil der Gefühle und Erlebnisse, die ich mir durch die Haltung von Kaninchen und dem Austausch mit anderen Haltern erhofft hatte.

Spendendruck

Portemonnaie mit Scheinen und Münzen

Das ging so weit, dass ich mich sehr unter Druck gefühlt habe, überall helfen und etwas spenden zu müssen.
“Jeder Euro hilft” ist da ein sehr starker Auslöser für mich gewesen. Klar, dem Profil folgen x-tausend Menschen – wenn jeder nur einen Euro spenden würde, dann wären die nächsten Rechnungen und laufenden Kosten in Höhe von hunderten Euro gedeckt.

Einige Fälle verfolgte ich intensiver als andere. Teilte in der Story Spendenaufrufe, um wenigstens irgendetwas zu tun, denn es war und ist nicht möglich, überall etwas zu spenden. Auch nicht einen Euro. Doch auch das wurde mir sehr schnell zu viel. Vor allem, wenn es auf meinem Profil zu Kritik kam – etwa, ich würde zu vielfältig und zu viel von der Menge her verfüttern, und ich solle doch bitte an die armen Tiere in Not denken und lieber mal dorthin spenden. Oder ob es wirklich Not täte, das Heu für 10 € das Kilo für meine beiden zu kaufen oder ob ich den Betrag nicht lieber “sinnvoller” einsetzen sollte. Oder dass ich die Reste, die ich auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt einsammle, verteilen und nicht verfüttern solle, ich könnte ja alles kaufen. Ihr versteht sicher, was ich meine. Also habe ich das Ganze stark reduziert.

Abgrenzung

Diese Verzweiflung und Sorgen sind mir zu viel. Der Druck, aktiver im Tierschutz sein zu müssen, einfach nur weil ich Kaninchen halte und über das Leid Bescheid weiß; die Trauer und Wut in der Tierschutzwelt, damit komme ich nicht zurecht. Deshalb folge ich gewissen Profilen nicht mehr. Deshalb teile ich nur noch ausgewählte Beiträge wie zum Beispiel von der Mümmelkasse. Aber auch das nur, wenn ich mich dazu in der Lage fühle.

Lange dachte ich, ich müsste involvierter sein, mich mehr engagieren und meine Stimme der Hilfe für Kaninchen ebenfalls hinzufügen, mehr aufklären, mehr geben, mehr teilen. Dass ich das nicht muss, ist mir erst klar geworden, als mir eine andere Person schrieb: “Man muss definitiv in der Lage sein, sich da emotional ein bisschen von abzugrenzen, sonst wird’s für einen selber ungesund.” Der Satz war eine richtige Befreiung für mich.

Versteht mich bitte nicht falsch: ich möchte auf keinen Fall die ganzen Aktionen, Einsätze und all diese Leidenschaft und das Engagement klein- oder gar schlechtreden. Im Gegenteil – ich finde es großartig, aber ich kann das nicht. Und das ist okay.

Verantwortung

Als ich zum ersten Mal den Wunsch äußerte, dass ich Kaninchen haben möchte, war mir klar, dass es bedeutet, sie zu füttern, das Klo sauberzumachen und immer zu schauen, dass alles rechtzeitig nachgekauft wird, was man so braucht. Auch vom Krallenschneiden und eventuellen Fellbürsten hatte ich schon einmal gehört. Ich glaube, das einzige, was ich richtig gemacht habe, war, dass ich nicht nur ein Tier hatte, sondern direkt zwei.

Dass ich durch den Einzug der Kaninchen plötzlich die Verantwortung für zwei echte Lebewesen hatte, war mir gar nicht so klar. Ich weiß, dass es total bizarr klingt, aber so war es. Richtige fühlende Wesen, mit ihren ganz eigenen Bedürfnissen und Eigenschaften. Mit Anfälligkeiten für Krankheiten und mit der Möglichkeit, Freude und Trauer auszudrücken. Lebewesen, denen man Langeweile ansehen kann und Neugierde. Zwei echte kleine Kaninchen mit Herzschlag und Atem, die schlafen, essen und spielen.

Ich glaube, es ist wie der Kinderwunsch – solange man es nicht selbst erlebt hat, denkt man nur zu wissen, was es bedeutet, ein Haustier – oder Kind – zu haben. Man hört und sieht bei anderen, wieviel Arbeit es ist, und denkt sich: “Ja, das nehme ich in Kauf.” Aber das Eigentliche, das auf einen zukommt, ist die Verantwortung. Dieser musste ich mir erst einmal bewusst werden.

Auf Augenhöhe

Schwarz-Weißes Zwergkaninchen sitzt unter Plattform und isst Gras aus einer Raufe. Im Vordergrund schwarzes Zwergkaninchen.

Seit dieser Erkenntnis und der anschließenden Akzeptanz hat sich meine Einstellung zu den Kaninchen auf jeden Fall positiv verändert. Ich habe keine “Haustiere”, sondern hier leben zwei weitere Individuen, die ganz genauso ein Recht auf ein bestmögliches Leben haben wie wir Menschen. Sie sind Familienmitglieder.

Das bedeutet eine korrekte medizinische Versorgung – egal, wie stressig es ist und egal, wie bockig die Kaninchen danach (und währenddessen) einem gegenüber sind. Das bedeutet auch mal zerstückelte und schlaflose Nächte, weil die Kanichen irgendwie genau zu wissen scheinen, wann Wochenende ist oder um wieviel Uhr der Tierarzt gerade zugemacht hat und man in den Notdienst muss.

Ich versuche meine beiden da draußen auf dem Balkon so zu halten und zu pflegen, dass es jederzeit für mich denkbar wäre, unter denselben Umständen zu leben und mich gut, gesund und glücklich zu fühlen, wenn ich plötzlich mit ihnen tauschen müsste.

Was ich damit sagen will

Schwarz-weißes und schwarzes Zwergkaninchen werden gestreichelt

Man sollte nicht aufhören, sich jeden Tag mit den Kaninchen zu beschäftigen und sich um sie zu kümmern, nur weil es schwer oder anstregend ist. Man gibt ja auch sein Kind nicht einfach ins Heim, weil man “keinen Bock mehr hat, sich zu kümmern” oder weil man nicht so viel Geld und Aufwand hineinstecken möchte, wenn es um den nächsten Urlaub geht.

Jeder kann in eine Situation geraten, in der er aus finanziellen Gründen oder wegen seines Gesundheitszustands nicht mehr in der Lage ist, sich vernünftig um seine Tiere zu kümmern – da gibt es keine Garantie. Trotzdem muss eine ordentliche Versorgung gewährleistet sein, sei es vorübergehend oder langfristig. Alles andere wäre egoistisch. Bei Haustieren geht es nicht darum, sie “zu haben” und “süß zu finden”, sondern darum, Verantwortung zu tragen und danach zu handeln. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, der sich ein Tier in den Haushalt holt.

Ihr müsst nicht die Verantwortung für alle Kaninchen tragen, sondern nur für die Lebewesen, die bei euch wohnen. Bei denen ihr die Entscheidung getroffen habt, dass sie mit euch zusammenleben sollen. Ich weiß, dass die Realität da draußen schrecklich sein und man das Gefühl haben kann, von ihr erdrückt zu werden. Ihr seid damit nicht allein!

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3 Antworten auf „Tierschutz und Verantwortung“

Ist tatsächlich gar nicht so und spannend zu wissen wieso und weshalb man sich dazu entscheidet ein Social Media Account so öffentlich zu betreiben im Gegensatz zu einer privaten Variante. Du hast auf jeden Fall eine sinnvolle Absicht, das muss man sagen.
🐰🐰🐰💗

Das ist ja unfassbar krass, was du an Kommentaren und Kritik geerntet hast; sowas Übergriffiges! 🤯
Ich kenne diese Gefühle von “das pack ich heute nicht” auch sehr gut. Und es fällt mir super schwer, weil ich mir so sehr wünschen würde, dass einfach alle Menschen so engagiert und mitfühlend wären – dann hätten wir viel weniger Leid auf der Welt. Stattdessen bleibt die ganze Last auf den Schultern Weniger hängen, anstatt auf viele verteilt zu werden, bis diese sie nicht mehr tragen können.
In der Tat wäre es aber schon ein enormer Fortschritt der Entlastung, wenn jede*r die Verantwortung für die eigenen Tiere vollumfänglich tragen würde.

Ich bin immer noch entsetzt über die negativen Kommentare, denen du ausgesetzt warst. Ich bin ganz bei dir – man muss sehr auf sich acht geben, dass man nicht unter dem selbst auferlegten Druck leidet. Und man muss sich abgrenzen, sonst geht man unter.

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