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Nordic Noir

Bunmom und braun-weißes Zwergkaninchen Nordic Noir

Zu ihren Geburtstagen haben Lady de Winter und Agent Cooper jeweils einen eigenen Beitrag auf dem haeschenblog.de bekommen.

Es ist nur fair, wenn das Kaninchen, das mich viel zu früh verlassen musste, einen eigenen Beitrag zu ihrem Todestag bekommt. Dieser jährt sich am Mittwoch, den 26.07.2023 zum zweiten Mal. Da musste ich Abschied von meiner süßen Nordic Noir nehmen.

Kurze Erklärung vorweg

Um Verwirrungen vorzubeugen: der Name des weiß-braunen Kaninchens war Nordic Noir. Doch genau wie Lady eigentlich Lady de Winter heißt, haben wir Nordic Noir meistens Saga genannt und gerufen. Das ist ein schwedischer weiblicher Vorname. Da der Beitrag für mich ohnehin schwierig zu schreiben ist, kann es sein, dass ich manchmal „Saga“ und manchmal „Nordic Noir“ schreibe. Es handelt sich aber hierbei um dasselbe Kaninchen.

Kleiner Disclaimer: meine Haltung war am Anfang nicht artgerecht. Das kam erst mit Sagas Tod und dem Einzug von Agent Cooper. Ich werde an den Stellen, an denen man es auf den Bildern erkennen oder im Text lesen kann, nicht nochmals erwähnen, sondern weise hiermit für den gesamten Artikel darauf hin.

⚠️ Triggerwarnung: es kommen Bilder von Kaninchen mit sichtbaren Anzeichen von Myxomatose vor.

Liebe auf den dritten Blick

Junges schwarzes und braun-weißes Zwergkaninchen im Stall

Der 28.06.2021 war der Startschuss meiner Kaninchenhaltung. Das war der Tag nach meinem 30. Geburtstag. Meine Schwester schenkte mir die Erstaustattung und mein Mann das Versprechen, dass wir am Wochenende zwei kleine Kaninchen zu uns nach Hause holen würden. Diese waren dann Lady de Winter und Nordic Noir.

Zu erst wollte ich zwei männliche Kaninchen haben. Sogar die Namen standen schon fest. Ich war mir ganz sicher! Dann sah ich Lady, verliebte mich in sie – und vergessen waren meine Vorsätze.

Eigentlich wollte ich der kleinen Dame ein kastriertes Männchen an die Seite setzen, aber alle, die zur Auswahl standen, waren irgendwie nicht passend. Ich suchte bestimmt fünf oder sechs andere Kaninchen aus, die alle nicht passten oder Mädchen waren und deshalb nicht in Frage kamen.

Aber da war noch ein Häuschen im Verkaufsgehege. Darunter hatten wir noch nicht geguckt. Die Verkäuferin hob es hoch, ich sah etwas Weiß-Hellbraun-Graues und verlor mein Herz an dieses kleine Fellnknäuel. Dass es sich hierbei wieder um ein Mädchen handelte und man das eigentlich nicht machen soll, um ein harmonisches Pärchen zu halten, war mir dabei egal. Dieses kleine Kaninchen sollte es sein, und so kam zu der kleinen schwarzen Lady de Winter die helle Nordic Noir dazu.

Junges braun-weißes Zwergkaninchen in Transportbox, im Hintergrund schwarzes Kaninchen

Die ganze Autofahrt nach Hause habe ich mir übrigens den Kopf zerbrochen, ob die Namen nicht eigentlich umgekehrt vergeben werden müssten. Aber mein Herz hatte sich schon entschieden, und so blieb ich dabei – auch wenn die meisten es andersherum als richtiger empfunden haben.

Die erste Woche

03.07.2021 bis 10.07.2021

Junges schwarzes und braun-weißes Kaninchen im Stall mit Futternapf

Jeden Morgen bin ich als allererstes raus auf den Balkon geeilt, habe mich auf den Boden vor dem Käfig gesetzt und nach meinen beiden Schätzen gesehen. Habe leise mit ihnen geredet. Ihnen erzählt, wie schön sie sind. Wie sehr ich mich freue, dass sie da sind und dass ich hoffe, dass sie gut geschlafen haben. Sie gelobt, wie schön sie die Toilette benutzt haben.

Manchmal habe ich vorsichtig meine Hand hineingelegt, damit die beiden daran schnuppern können, und beide haben sich auch streicheln lassen.

Junges braun-weißes Zwergkaninchen im Stall wird gestreichelt

Es war wirklich so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte.
Da waren wirklich kleine, unglaublich süße und schöne Kaninchen auf dem Balkon. Dazu waren sie zutraulich und lieb, und es war einfach jedes Mal, wenn ich sie beobachtete, wie ein kleines Geschenk. In der ersten Woche habe ich sie noch nicht hoppeln lassen, sondern ausschließlich im Käfig gelassen, damit sie sich erst einmal an ihr neues Zuhause mit allen Gerüchen und Geräuschen gewöhnen konnten.

Ich machte jeden Tag das Klo der beiden sauber, gab neues Futter in den Napf, spülte die Trinkflaschen und füllte eine mit Wasser und die andere mit abgekühltem Tee. Jeden Tag schrieb ich auf, wieviel sie getrunken hatten, und war einfach glücklich.

Die zweite Woche

10.07.2021 bis 17.07.2021.

Die zweite Woche mit den beiden neuen Mitbewohnern war ebenfalls spannend. Wir brachten die erste komplette Käfigreinigung erfolgreich hinter uns und machten in Sachen Vertrauen Fortschritte.

Die beiden wurden auch immer mutiger und neugieriger. Also beschlossen wir, dass es an der Zeit war, dass die beiden überwachten Auslauf bekommen.

Ich weiß noch, wie ich gespannt dasaß und mich alle paar Sekunden umentschied, wer sich wohl als erstes heraus traut.

Junges braun-weißes und schwarzes Zwergkaninchen sitzen auf einem Häuschen

In meiner Erinnerung sind wir in der Zeit auch noch einmal zum Zoohandel gefahren, um einen weiteren Napf und eine Rampe zu kaufen. Die Kaninchen sahen so winzig aus, dass ich Sorge hatte, sie würden sich das Raus- und Reinhopsen ohne einen Weg nicht trauen.

Die dritte Woche

19.07.2021 bis 24.07.201.

Junges schwarzes und braun-weißes Zwergkaninchen liegen ausgestreckt auf Balkon

Der Anfang der dritten Woche war wundervoll. Die beiden hüpften in der Auslaufzeit fröhlich über den Balkon. Sie kuschelten viel und stritten um Futter. Manchmal kamen sie zum Kuscheln. Wir übten Tricks und ich verbrachte täglich viele Stunden draußen.

Auch die Buddelkiste wurde eröffnet und beide liebten es, dort hineinzuhüpfen und zu graben, sich zu wälzen und herumzuspringen. Es war die pure Lebensfreude.

Junges braun-weißes Zwergkaninchen isst Kohlrabiblatt

Nach einer Weile fiel mir dann aber auf, das Saga irgendwie schwer atmete. Wenn sie lag, konnte man ihre Atmung richtig sehen, ihre Seiten hoben und senkten sich schnell. Sorgen waren ebenso schnell gemacht wie eine Google-Suche. Die brachte mich zu Kaninchenwiese.de, und nach ein paar Klicks dachte ich, es sei die Hitze. Wir hatten Sommer und über 30 Grad.

Ich tauschte mich auch mit Freunden aus, die schon einmal Kaninchen gehabt hatten oder zu dem Zeitpunkt auch hatten, und sie bestätigten meine Vermutung, dass ihr einfach zu warm war.

Junges braun-weißes Zwergkaninchen auf Stroh

Ich weiß das alles nicht mehr so ganz genau, außer dass ich jeden Tag etwas auf Kaninchenwiese gelesen habe, um so viel wie möglich zu lernen. Mir fiel auf, dass es Saga immer schlechter ging und sie irgendwie nicht mehr so spielfreudig wie vorher wirkte. Ich war sehr verunsichert, ob ich mir das einbildete, es von der Wärme kam oder ob es mir so vorkam, weil ich so viel über Krankheiten im Internet las.

Ab zum Tierarzt

Mir ließ das keine Ruhe, und ich ging zum Tierarzt.
Gut – wenn er sagen würde, ihr sei einfach zu warm und dass sie deshalb auch weniger essen und trinken würde, dann musste ich mir was wegen der Hitze überlegen.

Mich verwirrte so sehr, dass Lady wie immer war, und dass sie manchmal ein wenig wild mit Saga umging – sie zum Beispiel mal wegjagte oder ihr hinterherlief. Ich hielt es naiverweise für Revierkämpfe.

Junges weiß-braunes Zwergkaninchen mit Krankheitsanzeichen liegt auf Balkon

Bevor die Frage kommt: nein, ich war nicht bei einer kaninchenkundigen Tierärztin. Ich wusste nicht einmal, dass es so etwas gibt.

Die Ärztin maß ihre Temperatur, und da stand eine 41 auf dem Thermometer. Diese Zahl sehe ich so deutlich vor mir, als hätte ich ein Foto davon. Während ich nervös über Ladys Fell strich, erklärte mir die Tierärztin, dass die Normal­temperatur von Kaninchen so bei 38,5 bis 39 liege und dass 41 genau wie bei Menschen Fieber und nicht gut sei.

Die Ärztin tastete meine Kleine ab und leuchtete in Augen und Ohren. Dann spritzte sie ihr ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum und gab mir auch Medizin mit. Sie sagte, wenn ich Glück hätte, dann wäre es nur ein kleiner Infekt und bald wieder gut. Wenn es in zwei Tagen nicht besser wäre, sollte ich wieder vorbeikommen.

Zwei Tage später

Nach zwei Tagen war es nicht besser. Leider. Im Gegenteil, plötzlich bekam sie ihr eines Auge fast gar nicht mehr auf und es sah entzündet aus. Es ging wieder zum Tierarzt. Die Ärztin fragte mich, ob die beiden geimpft seien. „Geimpft? Wogegen? Es gibt Impfungen für Kaninchen? Was?“ war meine Antwort, und ich weiß noch, wir mir die Tränen in die Augen schossen. Ich fühlte mich elendig, weil ich die beiden im Stich gelassen hatte.

Die Ärztin klärte mich über die Impfungen auf und äußerte die Vermutung, das Saga Myxomatose habe. In meiner Erinnerung bestand ich ziemlich hysterisch auf einer Notimpfung bei Lady. Die Ärztin stellte zwar in Aussicht, dass es vielleicht zu spät sei, aber das war mir egal. Das war am Samstag dem 24.07.2021. Ich sollte die beiden besser voneinander separieren, Medizin verabreichen und päppeln. Wenn es Sonntag nicht besser sei, dann sei es sicher Myxomatose und ich solle wieder kommen, um sie einschläfern zu lassen.

Kaninchenstall auf Balkon, in der oberen Etage weiß-braunes Zwergkaninchen an der Tränke

Der Bundad ist mit mir dann noch zu einem großen Supermarkt gefahren und wir haben eine ganze Menge Päppelzeug gekauft. Ich wollte sie nicht aufgeben. Aber nach allem, was ich in kurzer Zeit gelernt und gelesen hatte, standen ihre Chancen schlecht.

Päppelmittel

Die letzten beiden Tage

25.07.2021

Ich kämpfte den ganzen Sonntag mit ihr. Päppeln, Medizin, Wasser, nach ihr sehen. Es ist alles zu einem großen Gefühl der Angst verschmolzen.

Dazu war Lady unten alleine und total verwirrt, wieso sie im Käfig nicht mehr nach oben konnte und wo Saga war.

Weiß-braunes Zwergkaninchen liegt im Stall in einer Ecke

So schwach und auf der Seite lag sie fast nur noch im Stall. Ich bekam kaum etwas in sie hinein. Ihre Atmung war hörbar laut. Sie zitterte. Ihre Ohren fühlten sich sehr heiß an und sie war manchmal wirklich teilnahmslos.

Ein paar Mal schleckte sie etwas Obstgläschen von einem Löffel und ich sah sie trinken und schöpfte wirklich Hoffnung. Aber vergebens. Denn dann kam der Montag. Ihr letzter Tag auf dieser Erde.

26.07.2021 – Abschied

Ich wusste, dass ihr Zustand nicht besser war. Die Worte der Tierärztin hallten in mir wider, und es war, als würde der Satz „…müssen wir sie einschläfern“ mich bleiern zu Boden zwingen. Nach einer kurzen Recherche fand ich heraus, dass es eine sehr gute, fähige kaninchenkundige Tierärztin in unserer Nähe gibt. Ich rief unter Tränen bei ihr an, schilderte die Situation und sollte sofort vorbeikommen.

⚠️ Hier wiederhole ich noch einmal meine Triggerwarnung von oben: es kommen Bilder von Kaninchen mit sichtbaren Myxomatosezeichen!

Weiß-braunes Zwergkaninchen mit Krankheitsanzeichen ist durch das Gitter der Transportbox zu sehen

Meine kleine Saga leistete keinen Widerstand, als ich sie in die Box hob. Die ganze Taxifahrt über streichelte ich sie durch die offene Tür der Box, und dann stand ich auch schon in der Praxis.

Weiß-braunes Zwergkaninchen mit Krankheitsanzeichen in offener Transportbox

Ich musste kaum etwas sagen. Als der Deckel der Transportbox abgenommen wurde, nickte die Ärztin nur und sagte leise: „Ja. Das ist Myxomatose!“ Ich hatte nicht gedacht, dass ich noch mehr weinen könnte, aber ich tat es, und das kleine Wesen vor mir in der Box stellte sich zitternd und schwach auf ihre wackeligen Beinchen.

Sie versuchte am Heu zu mümmeln, als wollte sie zeigen: „Nein, nein, guckt, mir geht es gut!“ Aber es half nichts. Ich willigte ein, sie einschläfern zu lassen, nachdem die Ärztin mir versicherte, dass es keine Hoffnung mehr gebe und es nur noch Quälerei sei. Sie war ja nicht geimpft. Ihre Chancen standen 2% zu 98%. Ohne sie gehen zu lassen, würde sie vermutlich qualvoll ersticken. Das wollte ich ihr nicht antun. Sie litt sowieso schon so sehr.

Als die Ärztin alles holen ging, sprang Nordic Noir mit allerletzter Kraft an mir hoch, und ich hielt sie noch einen Moment. Streichelte sie, sagte ihr, wie leid es mir tat und dass ich das nicht wollte. Wie sehr ich sie lieb hatte und nicht wollte, dass sie geht.

Doch es half nichts. Sie fiepte und atmete so laut, wie ich es nie für ein so kleines Wesen für möglich gehalten hatte.

Dann kam die Ärztin zurück und wir erlösten sie.

Ruhe in Frieden

Weiß-braunes Zwergkaninchen mit Krankheitsanzeichen in offener Transportbox

Das ist das allerletzte Bild, das ich von meiner Kleinen gemacht habe.

Es tut mir so leid. Ich hatte Dich so lieb und hoffe, es geht Dir gut am anderen Ende der Regenbogenbrücke. Bestimmt kannst Du über saftige Wiesen springen und den leckersten Löwenzahn essen, den je ein Kaninchen gegessen hat.
Ich vermisse Dich jeden Tag. Irgendwann sehen wir uns wieder.

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