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Emotionales

Lady de Winter

Schwarzes Zwergkaninchen Lady de Winter mit grünen Zweigen

Lady de Winter, oder kurz einfach nur Lady, ist mein erstes eigenes Kaninchen. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Da sie am 03.05.2023 süße zwei Jahre geworden ist, wollte ich ihr diesen Beitrag widmen und etwas ausfühlicher auf sie und unsere gemeinsame Zeit zurückblicken.

Lest weiter und kommt mit auf unsere Reise.

Disclaimer

Erst einmal, wie so oft, ein kleiner Disclaimer.

Bevor Kaninchen auf unseren Balkon und in unsere Herzen gezogen sind, mir eins an Myxomatose gestorben ist und ich etwas über Vergesellschaftungen lernen musste, hatte ich keine Ahnung von der artgerechten Haltung von Kaninchen.
Das werdet ihr bestimmt an der einen oder anderen haarsträubenden Schilderung in diesem Bericht feststellen.

Zum Beispiel sind Ladys Herkunft, Alter beim Kauf (das sagt auch schon viel, ihr wisst ja: adopt don’t shop), Erstausstattung etc. aus heutiger Sicht katastrophal.

Seht mir das bitte nach. Ich habe eine Menge dazugelernt und würde gemachte Fehler natürlich nicht wiederholen.

Geburtstag

Schwarzes Zwergkaninchen Lady de Winter mit blühenden Zweigen

Meine kleine Prinzessin ist zwei Jahre alt. Die Zeit rast wirklich. Ich habe mir ihr Geburtsdatum ehrlicherweise selbst ausgesucht. Als ich sie bekommen habe, hieß es, sie sei acht junge Wochen alt. Da ich mich am 03.07.2021 in sie verliebt habe, habe ich einfach zwei Monate zurückgerechnet und festgelegt, dass das ihr Geburtstag ist.

Obwohl ich später durch eine Tierärztin erfahren habe, dass sie wahrscheinlich noch jünger war, als sie zu mir kam, habe ich es beim 03.05. belassen.

Für die Versicherung habe ich damals der Einfachheit halber den 01.05. eintragen lassen, feiern tun wir aber am Dritten. Letztes und dieses Jahr mit Kuchen für die Bunpawrents und mit Leckerein für die Kaninchen. 2022 gab es ein zu einer 1 geschnitztes Stück Möhre, die dann aber Agent Cooper gegessen hat, dieses Jahr einen Heu-Spielballen mit Blütendip.

Natürlich ist das eher etwas für mich als für die Kaninchen. Ich bin mir sicher, denen ist ihr Geburtstag piepsegal, und natürlich freuen sich die beiden auch mehr über frisches und grünes Futter. Das gibt es hier aber sowieso 24/7, deswegen darf es auch mal eine Extraportion Heu mit trockenen Blüten sein.

Exkurs: Warum Kaninchen?

Wie viele Kinder hatte auch ich schon früh den Wunsch nach einem eigenen Haustier. Ich wünschte mir einen Wellensittich oder ein Kaninchen. Wie viele Eltern haben meine “Nein” gesagt. Doch dann hat meine Schwester zu ihrer Kommunion ein Kaninchen bekommen und ich zum Trost einen Hamster.

Ich hatte dann über viele Jahre immer wieder Hamster, immer mit dem Ziel: “Wenn ich mal ausziehe, kaufe ich mir einen Wellensittich.” Das habe ich dann auch getan, genauer gesagt waren es sechs Stück. Als ich dann den Bundad kennen und lieben gelernt habe und wir zusammen ziehen wollten, konnten die sechs Piepmätze leider nicht mit. Mein Seelenvogel ist dann auch noch verstorben und ich vermisste es, ein Haustier zu haben.

Im Jahr 2019 habe ich eine Therapie angefangen und der Wunsch nach einem Emotional Support Animal wurde immer größer. Die Wahl fiel auf Kaninchen, da ich wusste, dass sie anders als andere Haustiere ganzjährig draußen leben können, z.B. auf unserem ohenhin ungenutzten Balkon, den wir immer “irgendwann mal” schön machen wollten.

Samstag, 03.07.2021

Zu meinem 30. Geburtstag setzten sich meine Schwester und mein Mann in den Kopf, mir den Wunsch nach Kaninchen endlich zu erfüllen. So bekam ich einen doppelstöckigen Holzstall, einen Sack Strohpellets, zwei Näpfe, zwei Trinkflaschen, ein Auslaufgitter, eine Heuraufe, einen Sack Stroh, eine Portion Heu und eine Tüte Fertigtrockenfutter “extra für Babykaninchen”.

Ich baute den Käfig voller Freude und Elan auf und erwartete sehnsüchtig die neuen Bewohner. Für mich war klar, es sollten zwei Männchen sein – eins auf jeden Fall schwarz. Ich hatte sogar schon Namen festgelegt.

Am Samstag darauf war es dann so weit. Mein Mann fuhr mit mir in die Zoohandlung, in der wir auch die Erstausstattung gekauft hatten, und ich durfte mir zwei kleine Kaninchen aussuchen.

Zuerst zeigte ich auf das, worauf ich schon beim Kauf der oben genannten Sachen ein Auge geworfen hatte. Leider hatte es Durchfall, und so musste es “nach hinten” in die Krankenstation. Das fand ich schade, aber verständlich. Und dann flitzte aus einem Häuschen ein kleiner schwarzer Blitz dirket in mein Herz. Die Verkäuferin nahm das verängstigte Wesen auf die Arme und sagte: “Das ist ein Mädchen. Kein Durchfall.” Und ich wusste, das ist meine. Meine Lady de Winter. Es war einfach so, ohne dass ich nachdenken musste.

Verworfen waren der Wunsch nach zwei Männchen und die Namen, die ich teilweise schon ein halbes Jahr, bevor ich wusste, dass ich Kaninchen haben werde, ausgesucht hatte. Sie war einfach meins und musste mit zu mir. Gesagt, getan.

Der Name – Lady de Winter

Lady de Winter und Bunmom

Eine Lady ist per Definition eine adlige Frau. Was verbindet man damit? Reichtum, Schönheit, Macht, vielleicht ein bisschen verwöhnt und ein divenhaftes Auftreten, aber auch sanft und gutherzig.

Ich finde, das sind alles Eigenschaften, die zu ihr passen.
In meinen Augen ist sie das schönste Kaninchen auf der ganzen Welt. Anmutig und superlieb. Wenn sie schmusen will, geht das ewig lang. Wenn nicht, zeigt sie es auch, indem sie den Kopf wegdreht und einem mit dem Blick sagt: “Lass mich.”

Der Winter ist meine Lieblingsjahreszeit, und da sie mir genauso sehr und genauso schnell gefallen hat wie dieser, passt ihr Name perfekt. Eigentlich ist sie aber nach einem Charakter benannt. Nein, nicht nach der Lady de Winter aus dem Drei Musketiere-Musical, sondern nach Rebecca de Winter – der verstorbenen Gemahlin eines englischen Gentleman aus dem Roman “Rebecca” von Daphne du Maurier aus dem Jahr 1938. Mittlerweile gibt es mehrere Filmadaptionen des Buches und ein Musical. Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass ich nach dem ersten Film aus dem Jahr 1940 von Alfred Hitchcock benannt wurde. Also habe ich Lady de Winter eigentlich nach mir selbst benannt.

Haltungsfehler

Junges schwarzes Zwergkaninchen Lady de Winter im Stall mit Heu und Napf mit Trockenfutter

Neben der wirklich schlimmen Erstaustattung habe ich zusätzlich auch andere Fehler gemacht. Zu Trockenfutter, Nippeltränken und falschem Einstreu waren Lady und ihre Partnerin auch noch meistens im Käfig eingesperrt. Sie durften diesen nur verlassen, wenn ich mich zu ihnen auf den Balkon gesetzt habe. Das waren am Anfang vielleicht so zwei oder drei Stunden am Tag. Nur draußen hatten sie auch ein Extra-Häuschen und Zugang zu einer Buddelkiste.

Ich will mich nicht komplett schlecht reden. Ich habe auch Grün gefüttert – Kohlrabiblätter, Möhrengrün, Löwenzahn und Gras standen in kleinen Mengen zur Verfügung.

Lady war übrigens auch ungeimpft, als ich sie bekommen habe. Ich habe erst von Impfungen und deren Relevanz erfahren, als es für ihre Partnerin schon zu spät war. Ich habe Lady dann notimpfen lassen, und das hat ihr vermutlich das Leben gerettet.

Übrigens ist die Kombination von zwei weiblichen Tieren als Paarhaltung auch alles andere als ideal und empfohlen – noch so eine Sache, von der ich vorher keine Ahnung hatte.

Herausforderungen

Schwarzes Zwergkaninchen macht Männchen, um an einen Buchenzweig zu kommen

Wie die allermeisten wissen dürften, lebt Lady de Winter mit ihrem Traumprinzen Agent Cooper zusammen. Doch nach dem Tod ihrer ursprünglichen Partnerin war ich ganze zehn Tage mit Lady alleine – beziehungsweise sie mit mir. Ich wusste zwar, dass ich einen neuen Partner für sie finden musste. Ich wusste auch, dass es am besten ein kastriertes Männchen sein sollte, aber ich wollte keinen Fehler machen. Nicht den falschen Charakter wählen, nicht wieder aus der Zoohandlung, nicht wieder so Hals über Kopf.

Außerdem hatte mir die Tierärztin geraten, eine Quarantänefrist von vierzehn bis einundzwanzig Tagen einzuhalten, um eine Ansteckung von Lady mit Myxomatose, der Seuche, an der ihre Partnerin gestorben ist, auszuschließen – damit ich nicht das neue Tier auch sofort anstecke. Dazu habe ich alles desinfiziert und die obere Etage des Käfigs gesperrt, denn dort saß das tödlich erkrankte Tier zum Schluss nur noch.

Im Internet habe ich mich dann sehr viel zum Thema Vergesellschaftung informiert, und ich bin ehrlich: es hat mir Angst gemacht. Der Gedanke, dass ich das Richtige tun will, indem ich Lady wieder ein Kaninchen an die Seite setze, und sie dabei verletzt werden könnte, machte mir Bauchschmerzen.

Einsame Dame

In der Zeit verbrachte ich nahezu jede freie Minute bei Lady draußen. Ich streichelte sie viel und sie suchte oft meine Nähe. Dass es aus Einsamkeit war, ist mir erst später so richtig bewusst geworden.

Den Ernst der Quarantänefrist wollte ich auf keinen Fall unterschätzen und wollte mich deswegen ganz klar daran halten. Doch nach ein paar Tagen veränderte sich Ladys Verhalten immer mehr. Am Anfang sprang sie weniger umher. Sie lag viel mehr herum und schaute traurig in die Gegend, manchmal war sie fast apathisch. Sie suchte sehr viel Nähe zu mir, und irgendwann fiel mir auf, dass sie nur noch etwas zu sich nahm, wenn ich da war.

Ich begann also, mindestens alle zwei Stunden zu ihr zu gehen, auch nachts, damit sie genug isst und trinkt. Am neunten Tag fing es dann an, dass meine bloße Anwesenheit nicht mehr ausgereicht hat, um sie zu motivieren. Eine Hand auf ihrem Rücken oder neben ihr, dicht an ihrer Seite musste es schon sein.

Ich machte mir große Sorgen. Am zehnten Tag schließlich reichte es mir und ich beschloss, dass noch am selben Tag ein neuer Partner her musste. So kam Agent Cooper zu uns. Vielleicht war das auch ein Fehler oder unvernünftig, aber ich habe wirklich gedacht, dass Lady mir vor Einsamkeit und Trauer sterben würde.

Fakten zu Lady de Winter

Schwarzes Zwergkaninchen isst grüne Blätter von einem Zweig

Über die Vergesellschaftung und Agent Coopers Geschichte wird es an anderer Stelle mal einen Bericht geben. Jetzt bleiben wir bei Lady und benennen ein paar Fakten zu ihr, die ihren Steckbrief zusammenfassen und ergänzen sollen.

Lady ist das dominante Tier in meiner Pärchenhaltung. Nicht einmal überdeutlich oder streng, sondern, wie ich glaube, weil es einfach in der Natur von Kaninchen liegt, Hierachien zu bilden und sie nicht niedriger im Rang sein will als Agent Cooper. Einfach so, aus Trotz. Das passt zu ihr.

Sie begrüßt mich jedes Mal, wenn ich ins Gehege komme, und bittet auch manchmal darum, gekrault zu werden. Am liebsten eine Kopfmassage, und zwar von der Nase über Kiefer und Stirn bis hin zu den Ohrenspitzen. Dabei knuspert sie auch genüsslich mit den Zähnen und schließt entspannt die Augen.

Wenn ich sie mal hochnehmen muss, um ihren Po zu waschen, ihr Medikamente zu geben, zum Bürsten oder wenn es zum Tierarzt geht, verzeiht sie mir mittlerweile sehr schnell. Sie ist maximal dreißig Minuten supersauer auf mich, mit Klopfen, Strampeln und Böse-Gucken. Aber dann darf ich meistens auch schon wieder streicheln und alles ist gut.

Sie macht mehr Binkies als Zoomies und versucht fast immer, ins Wohnzimmer rein zu kommen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Sie liebt den Auslauf in dem großen Zimmer. Leider ist sie extrem neugierig und frech. In jedes Loch versucht sie sich zu quetschen und alles, was im Weg ist, wird zur Seite zu räumen versucht. Angst kennt sie nur vor dem Hochheben und dem Staubsauger. Ich betitele sie gerne als das Kind, das mit einem Fremden mitgehen würde, wenn er ihr Süßigkeiten in seinem Auto verspricht.

Seit ihrer Kastration im Juni 2022 ist sie leider etwas übergewichtig, aber wir arbeiten daran. Die Ebene und die Wiesenfütterung helfen da sehr.

Seelenkaninchen

Auch wenn es sich so unfair anfühlt – wie eine Mutter zu fragen, welches denn nun ihr Lieblingskind sei – muss ich zugeben, dass Lady de Winter mein Seelenkaninchen ist.
Sie ist so lieb und zutraulich. So schlau und kommunikativ. Wir verstehen und meistens einfach super, außer ich muss ihr Medikamente geben – dann natürlich nicht. Sie hört auf ihren Namen und auf ein paar Spitznamen, und ich möchte behaupten, dass sie mich wirklich auf ihre Art lieb hat.

Sie ist schön, stolz und stark.
Und ich liebe sie, meine kleine Ladymaus.

Schwarzes Zwergkaninchen mit weißer Blesse, Nase und Vorderpfoten mit blühenden Zweigen






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3 Antworten auf „Lady de Winter“

Danke für deine Offenheit! Ein toller Blogbeitrag, der mich in manchen Stellen auch an mich selbst erinnert hat.
Wir alle lernen jeden Tag dazu und dazu gehört es auch, uns zu reflektieren.
Lady ist eine zauberhafte Maus und ich habe mich sehr gefreut, so viel über sie zu erfahren.

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