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Emotionales Erfahrungen

„Du übertreibst!“ – Teil 1

Schwarz-weißes und schwarzes Kaninchen liegen nebeneinander in einem Holzhaus

Diesen Satz hat so oder so ähnlich jeder schon einmal gehört, der seine Kaninchen so artgrecht wie möglich hält oder halten will – sei es wegen Platz, Futter, Anzahl der Tiere oder den Kosten für ihre Gesundheit.

Um meinen Frust abzubauen, zu zeigen, dass niemand damit alleine ist und auch um aufzuklären; damit wir das nächste Mal, wenn jemand genervt die Augen verdreht, ihm diesen Beitrag als Antwort schicken können.

Einleitung

Ursprünglich sollte dieser Beitrag grob nach den folgenden Themen sortiert sein:

  • Platz
  • Futter
  • Gesundheit
  • Umgang /Allgemein

Beim Strukturieren und Notizen zusammentragen für die Themen ist mir jedoch aufgefallen, dass es viel zu viel für einen Beitrag wäre. Deshalb teile ich es in vier Beiträge auf und widme jedem Thema seinen kürzeren, aber dafür eigenen Beitrag. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema:

Platz

Käfig

Ein offener rot-weißer Kaninchenstall

Das Thema Käfig ist hierbei wohl das häufigste. Sätze wie „Aber der ist doch groß“, „Im Geschäft stand da Villa dran“ oder „Die bekommen ja auch Auslauf“ hat wohl jeder schon einmal gehört.

Wer sich informiert hat und seine Tiere nicht wider dem Tierschutzgesetz halten will, weiß, dass ein Käfig maximal als Haus, Toilette oder Futterplatz genutzt werden sollte und die Tiere dort niemals eingesperrt gehören. Auch nicht „nur über Nacht“.

Vergleiche

Oft muss man sich anhören, dass Andere es „früher so aber gemacht haben“ und dass es „früher auch gereicht hat“. Es ist total verständlich, dass dieses Argument kommt. Niemand will oder wollte seinem Haustier ein schlechtes Zuhause bieten oder es nicht artgerecht halten. Jeder wollte immer das Beste. Und wenn man es nicht besser wusste, kann es hart sein, damit konfrontiert zu werden und sich eingestehen zu müssen, dass man bei seinem geliebten Tier, um das man vielleicht sogar noch ein Stück weit trauert, etwas falsch gemacht hat. Das tut weh, und oft ist da Angriff die beste Verteidigung.

Zimmer

Ich lese oft, dass es als übertrieben angesehen wird, wenn Kaninchen ganze Zimmer in einer Wohnung oder einem Haus bekommen. Oder dass bei der Größe des Geheges mit dem „Kinderzimmer“-Argument in die Tasten gehauen wird.
Als Faustregel gilt in Deutschland, dass ein Kinderzimmer zehn Quadratmeter Platz bieten sollte, damit ein Kind sich ungestört entfalten kann. Bei zwei Kindern wären es ja dann nur fünf Quadratmeter pro Kind und damit weniger als für zwei Kaninchen. Oft wird das dann als „absurd“ abgestempelt; „Wo kommen wir denn da hin?“ Dazu möchte ich Folgendes sagen:

Ein Kaninchen verbringt sein ganzes Leben in seinem Gehege, plus Auslauf. Auf diesen mindestens sechs Quadratmetern befindet sich immer ein Artgenosse.
Dort hat es Schlafzimmer, Toilette, Esszimmer. Es putzt sich und spielt dort.

Die Kaninchen gehen nicht raus, um zu spielen. Sie gehen nicht in den Kindergarten oder die Schule. Sie treffen sich nicht mit Freunden oder fahren in andere Länder in den Urlaub.

Kinder haben diese Möglichkeiten in der Regel. Sie müssen auch nicht in ihrem Zimmer auf die Toilette gehen oder sich duschen. Auch essen tun sie dort nur in Ausnahmefällen, ihr Essen für den Tag oder die nächte Mahlzeit müssen sie aber nicht dort lagern. Auch sind nicht alle Beschäft­igungs­möglich­keiten, die dem Kind zur Verfügung stehen, im Kinderzimmer. Kinder können sich frei bewegen.

Sicherheit

Ein Kaninchengehege sollte nach allen sechs Seiten hin sicher sein, so dass sich kein Tier heraus- und sich auch nichts von außen hereinbuddeln kann. Die Umrandung sollte aus sicherem, punktverschweißtem und engmaschigem Draht bestehen. Das Dach sollte zum Teil Schutz vor Regen und Schnee bieten. Auch Fliegen sollten mit Fliegengittern daran gehindert werden, ins Gehege zu kommen.


Auch das finden viele übertrieben. Ich wurde mal gebeten, während eines Urlaubs beim Haus einer Familie nach dem Rechten zu sehen und mich um Post, Pflanzen und die Degus zu kümmern. Mir wurde vorgeschlagen, vorübergehend in das Haus zu ziehen und Lady und Coopi mitzunehmen. Ich könnte ja so ein achteckiges Auslaufgitter mitnehmen und die beiden könnten im Garten wohnen.

Ich verneinte das und erntete genervtes Seufzen und viele verdrehte Augen bei meinen Hinweis auf den Schutz vor Raubtieren und darauf, dass Kaninchen ziemlich territorial sind und es nicht mögen, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen.

Einrichtung

Über die Einrichtung meines Geheges musste ich auch schon die eine oder andere Diskussion führen. Dass ein Häuschen zwei Eingänge haben muss, ist für viele „Quatsch!“ Dabei ist es wichtig, dass rangniedrigere Tiere im Falle eines Streits schnell abhauen können. Und das geht nicht in die Richtung, aus der der Angriff kommt.

Dass Trinkflaschen, sogenannte Nippeltränken, nicht geeignet sind, um den Kaninchen Wasser zur Verfügung zu stellen, sondern Näpfe verwendet werden sollten, stößt auch auf viel Unverständnis.

Ansicht des gesamten Balkongeheges inklusive Kaninchen aus der Vogelperspektive

Wenn man seinen Tieren Buddelmöglichkeiten, erhöhte Sitzmöglichkeiten und Tunnel zur Verfügung stellt, muss man sich oft anhören, dass man die Kaninchen verwöhnt und dieser „ganze Schnickschnack“ unnötig und völlig übertrieben sei. Erklärt man die Notwendigkeit und Vorteile, stößt das leider oft auf taube Ohren.

Gesetzeslage

Das Tierschutzgesetz sieht für zwei Kaninchen eine Mindestgrundfläche von sechs Quadratmetern vor. Für jedes weitere Tier muss man hier 20% mehr Fläche hinzurechnen.
Dass ein handelsüblicher Gitterkäfig mit einer Größe von 140 x 50 cm das nicht abdeckt, sollte einleuchten. Auch dann nicht, wenn es Auslauf gibt.

Aktivität und Bewegungsdrang

Kaninchen brauchen tatsächlich ähnlich viel Platz wie eine Hauskatze. Sie wollen rennen, springen, sich ausstrecken und spielen.

Ein gesundes Kaninchen kann aus dem Stand einen Sprung bis zu einem Meter hinbekommen. Die wilden Verwandten unserer Haustiere schaffen bis zu 40 km/h, wenn sie einmal losrennen.

Es gibt nichts Schöneres, als Kaninchen auf ausreichend Platz sogenannte Binkies und Zoomies machen zu sehen.
Binkies sind kleine, oft schnell aufeinanderfolgende Freudenhüpfer. Ein Zoomie ist schnelles Hin- und Herrennen aus Freude und um Energie los zu werden.

Dämmerungsaktiv

Kaninchen haben nicht den selben Tag- und Nachtrhythmus wie wir Menschen. Sie sind eher dämmerungsaktiv – also wenn der Morgen anbricht oder es dunkel wird. In der Mittagszeit schlafen sie meistens und ruhen sich in ihren Verstecken aus. Dazwischen haben sie immer wieder kurze aktive Phasen. Auch nachts wollen Kaninchen essen, trinken, spielen, hüpfen und rennen. Daher reicht es nicht aus, seinen Hauskaninchen ein paar Stunden Auslauf pro Tag zu bieten.

In diesem Sinne

Ich hoffe, der Beitrag hilft bei der Aufklärung und der Verbreitung von mehr artgerechter Kaninchenhaltung. Teilt gerne eure Ergänzungen und Erfahrungen mit Anderen in den Kommentaren. Schreibt mir auch, welche Punkte ich bei den anderen Themen auf keinen Fall vergessen darf. Nutzt hierfür ebenfalls gerne die Kommentarfunktion, das Kontaktformular oder Instagram.

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Eine Antwort auf „„Du übertreibst!“ – Teil 1“

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