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Der „Hasenbraten“-Kommentar

Schwarz-weißes Zwergkaninchen mit Telefon

Alle Kaninchenhalter mussten sich bestimmt schon einmal den einen oder anderen dummen Kommentar zu ihrer Haustierwahl anhören. Sei es die ungläubige Frage, ob man dafür nicht schon zu alt sei, das verurteilende Kopfschütteln, wenn jemand die Tierarztrechnung sieht oder der klassische „War-doch-nur-ein-Scherz“-Kommentar „Oh, das gibt dann einen leckeren Braten!“

Meistens kann ich so etwas getrost ignorieren, überhören und mit einem Augenrollen quittieren – jedoch nicht, wenn es von jemandem kommt, bei dem man davon ausgeht, dass ihm sehr wohl klar ist, dass man Kaninchen als geliebte Haustiere halten kann.

Worum geht’s eigentlich?

Ich hatte am Samstag, den 03.12.2022 bei einem Geschäft für Heimtierbedarf eine Onlinebestellung getätigt: Heu, Stroh, einen Grasball und eine Brücke. Letztere wollte ich Lady de Winter und Agent Cooper als Weihnachtsgeschenk präsentieren. Am 05.12.2022 bekam ich eine Mail, dass meine Bestellung in zwei Paketen käme, das eine am selben Tag, das andere am Tag darauf.

So weit, so gut. Als allerdings beide Pakete da waren, fehlte die Brücke. Ich versuchte, die Service-Hotline anzurufen. Dort war aber immer besetzt, so dass ich dem Kundenservice per Kontaktformular mein Anliegen schilderte. Ich erhielt eine übliche Mail, in der stand, dass momentan viel los sei und die Bearbeitungszeit zwei Wochen betragen könne.

Wie ging es weiter?

Die zwei Wochen wären am 20.12.2022 um gewesen. Es kam nichts. Ich habe es mit Wohlwollen auf den Weihnachtsstress und damit verbundene Urlaube etc. geschoben. Weihnachten kam und ging, und dann war irgendwie schon 2023.

Beim Gehege umstellen Anfang Januar habe ich gedacht, wie schön es wäre, wenn ich eine Brücke hätte, weil ich einen schönen Platz dafür hatte. Da fiel mir ein, dass ich ja eigentlich eine gekauft hatte, und durchsuchte nochmals meine E-Mails. Nichts Neues. Beim Anrufen war wieder besetzt.

12.01.2023

Ich hatte schon überlegt, ob ich es gut sein lassen sollte oder ob es etwas bringen würde, in einer Filliale nach Hilfe zu fragen, als dann doch noch jemand am anderen Ende der Leitung abhob. Was dann folgte, war wohl das bizarrste Telefonat, das ich je hatte.

Telefonat

Schwarzes Zwergkaninchen mit Telefon

„Ja, hallo, ich hatte am 06.12. letztes Jahr versucht, mit dem Kundenservice Kontakt aufzunehmen wegen eines fehlenden Artikels in einer Bestellung. Es wurde laut E-Mail auch ein Ticket mit der Nummer XY eröffnet, aber leider habe ich bis heute keine Rückmeldung bekommen.“

„Ja. Oh. Dann würde ich mal anrufen.“

Ich war höchst verwirrt, weil ich ja gerade anrief, und brachte irgendwann ein „Wo denn?“, worauf der Herr am anderen Ende lachte. „Ach ja. Sie sind ja schon am Telefon. Moment.“

Wir glichen meine Daten zur Verifizierung ab und ich schilderte mein Anliegen erneut. Ich muss sagen, dass mein Problem zu meiner Zufriedenheit gelöst wurde: „Wenn Sie nun mal sagen, der Artikel fehlt, werde ich veranlassen, dass Ihnen dieser kostenlos erneut zugesendet wird.“ Das wollte ich ja auch erreichen: meinen fehlenden Artikel noch bekommen oder aber das Geld zurück. Wobei mich an der Aussage schon irritiert, was das „kostenlos“ da soll – ich hatte den Artikel doch bezahlt. Und erneut zugesendet wird er mir auch nicht, sondern erstmals überhaupt – aber gut, das sind Kleinigkeiten.

Jetzt zum komischen Teil

Schwarzes Zwergkaninchen mit Telefon

Während der Mann alles eingab, sollte ich kurz dran bleiben, falls er noch Infos benötigte. Er fragte, ob die Brücke für ein Kaninchen oder Meerschweinchen sei. „Für meine zwei Kaninchen“, antwortete ich. „Eigentlich sollte das ein Weihnachtsgeschenk werden, aber na ja, die beiden wissen wohl sowieso nicht, was Weihnachten ist.“ Er reagierte zunächst sehr empathisch mit „Ach, das weiß man ja nicht. Vielleicht ja doch.“

Ich lachte nur, weil ich das irgendwie sehr einfühlsam fand und aus Marketingsicht für eine clevere Art hielt, seine Mitarbeiter in Kundengesprächen so reagieren zu lassen – doch dann tätigte er folgende Aussage: „Immerhin sind sie Weihnachten nicht im Topf gelandet. Das ist doch bestimmt viel wert.“ Ich war sprachlos. Er bemerkte seinen Fehler auch schnell und entschuldigte sich mit der Rechtfertigung, dass es ja nun mal bei vielen Familien so üblich sei, an Feiertagen einen Hasenbraten zu essen. Bei seiner nicht, nur manchmal und überhaupt.

Ich weiß gar nicht mehr, wie das Gespräch dann geendet hat, nur dass ich vor der „Kundenumfrage zur Verbesserung des Service“ aufgelegt habe und vier Tage nach diesem wundersamen Gespräch die Brücke per Paket bei uns ankam.

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2 Antworten auf „Der „Hasenbraten“-Kommentar“

Also ich hab mir diese Geschichte jetzt zweimal durchgelesen. Hier hätte eigentlich nicht mehr schief gehen können. Abgesehen von dem Hasen-Braten-Kommentar finde ich ja die Nummer mit dem “Na, dann rufen Sie mal an” ganz schräg. Über Kundenhotlines müssen wir wohl nicht detaillierter sprechen – Katastrophe. Also am besten ab jetzt direkt in den Laden:-).

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