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Der Fellwechsel

Schwarzes Zwergkaninchen im Fellwechsel

Wenn man Kaninchenhalter fragt, was sie an der Haltung der süßen Fellnasen am meisten stört, nervt oder beängstigt, werden Dinge wie: “Die Köttel, die überall herumfliegen, nur nicht im Klo”, “Eine Vergesellschaftung und all ihre Mitbringsel” oder die Angst, Krankheiten nicht zu erkennen, wohl am häufigsten genannt. Bei mir ist es der Fellwechsel – und ich möchte euch nun erzählen, warum.

Allgemeines

Zunächst einmal ein paar Fakten zu dem für mich nervigsten Thema in der Kaninchenhaltung.

In der Regel wechseln Kaninchen ihr Fell zweimal pro Jahr.
Das Sommerfell wird von Frühling bis Herbst getragen, dann wird auf das dichte Winterfell gewechselt. Dieser Wechsel ist gerade in der Außenhaltung überlebenswichtig. Bei Minusgraden schützt eine dicke Schicht Unterwolle vor dem Erfrieren. Im Sommer hilft ein leichtes, dünneres Fell dabei, nicht zu überhitzen.

Gesunde Kaninchen, die möglichst artnah gehalten werden, brauchen in der Regel bis auf einen gelegentlichen Einsatz der Bürste keine zusätzliche Unterstützung beim Tausch des Pelzes. Ausreichend Platz zum Bewegen sowie frisches Grünfutter mit vielen Fasern und hohem Wassergehalt reichen völlig aus, um den Tieren den Wechsel so leicht wie möglich zu machen.

Vor allem der Abtransport der beim Putzen verschluckten Haare durch den empfindlichen Verdauungstrakt der Kaninchen wird durch die oben genannten Punkte positiv beeinflusst. In Außenhaltung trägt auch der Wind seinen Teil dazu bei, lockeres Fell einfach von den Tieren zu pusten.

Unser Fellwechsel

Ich finde, man sieht es den Kaninchen deutlich an, wenn sie ihr Winterkleid tragen. Sie sehen viel plüschiger aus und fühlen sich noch weicher an. Ich liebe es! Was ich aber ganz und gar nicht liebe, ist der Wechsel.

Obwohl meine Kaninchen jung, gesund und durch das Balkongehege mehr draußen als drinnen leben, ist unser Fellwechsel extrem. Ich kann kein anderes Wort dafür finden. Überall im Gehege ist Fell. Manchmal rollen kleine Haarkugeln im Wind über den Boden – wie in Westernfilmen das “Tumbleweed”.

Eigentlich haben sie ideale Bedingungen, und trotzdem war mein erstes Jahr mit Kaninchen während des Umschwungs der Jaheszeiten eine richtige Talfahrt. Agent Cooper und Lady de Winter hatten beide schon Inappetenzen, Bauchschmerzen und Darmverschlüsse, ausgelöst von Haarballen. Also von zu viel aufgenommenen Haaren, die nicht richtig abtransportiert werden konnten und dann den Verdauungstrakt zum Erliegen brachten.

Gefahren

Das ist nicht nur schlimm mit anzusehen, sondern auch lebensgefährlich. Und – auch wenn das jetzt taktlos klingt – ziemlich teuer beim Tierarzt. Die Hauptursache für unsere Tierarztkosten im Jahr 2022 (ca. 2600 €) lag in wiederkehrenden Inappetenzen, vor allem bei Agent Cooper.
Vielleicht mache ich dazu mal einen ausführlichen einzelnen Beitrag.

Kaninchen haben einen sogenannten Stopfmagen. Kurz und einfach erklärt heißt das: sie haben eine sehr schwach ausgeprägte Darmmuskulatur und sind daher darauf angewiesen, ständig uneingeschränkten Zugang zu frischem Futter zu haben. Dadurch wird die Nahrung, die vorne aufgenommen wird, durch das Tier hindurchgeschoben und kommt, einfach gesagt, hinten verdaut wieder heraus.

Während des Fellwechsels kann es hier zu Köttelketten kommen. Die sind nicht schlimm – im Gegenteil. Das heißt ja, dass die Haare wieder herauskommen. Die Ketten können unterschiedlich lang sein – von zwei bis drei zusammenhängenden Kötteln bis hin zu 20 und mehr. Wir hatten schon alles.

Wenn die geschluckten Haare nicht wie vorgesehen durch das Kaninchen hindurch transportiert werden können, dann bleiben sie stecken und bilden einen Haarballen. Da geht es dann nicht mehr weiter und das, was anschließend gegessen wird, bleibt vor dem Haarballen liegen. Das Tier bekommt Bauchschmerzen, und wenn man Pech hat, kommt es zu lebensgefährlichen Aufgasungen, bei denen das Kaninchen dann auch nicht mehr richtig atmen kann.

Man leidet schon beim Zusehen richtig mit. Da hilft nur noch der Tierarzt. Dieser kann mit Röntgenaufnahmen, Infusionen und Wärmemanagement helfen.

Unterstützende Maßnahmen

Um die Tiere beim Fellwechsel zu unterstützen, helfen neben selber bürsten, frischem Grünfutter, ausreichend Bewegung und (wenn möglich) Wind auch noch andere Dinge.

Ich füttere zu Hochzeiten des Fellwechsels zum Beispiel gerne kalt gepresste Leinenflocken, auch Kuchen genannt.
Die beiden hier sind ganz verrückt danach. Wenn sie dürften, würden sie nur noch Leinenflocken essen. Da die kleinen, dünnen Plättchen eher weich sind, werden sie nicht so artfremd gekaut wie zum Beispiel harte Erbsenflocken. Sie sind allerdings ähnlich kalorienreich. Also Vorsicht hier, was das Gewicht angeht.

Andere Ölsaaten wie zum Beispiel Sonnenblumenkerne können ebenfalls dabei helfen, die Haare aus dem Tier zu bekommen. Hier gilt aber auch wieder: Vorsicht mit dem Energiegehalt. Ich würde maximal zwei bis drei Kerne pro Tier und Tag geben.

Auch Lactulose oder rein pflanzliche Produkte, die beim Kaninchen speziell gegen Haarballen wirken sollen, können vorbeugend zum Einsatz kommen.

Schwarz-weißes Zwergkaninchen schaut durch einen Fellpflegetunnel mit  Bürste

Die Tiere einzufangen und zu bürsten ist natürlich für alle Beteiligten stressig. Deswegen kann es ganz hilfreich sein, im Gehege Bürsten, z.B. Handfeger oder Besenköpfe, anzubringen – am besten an engen Stellen oder dort, wo die Kaninchen oft durchlaufen. Dann bürstet sich das Fell von alleine, wenn sie dort herumlaufen.

Es gibt sogar extra Kaninchenmöbel dafür zu kaufen, falls ihr nichts selber anbringen wollt. Sucht einfach nach “Fellpflegetunnel”, “Bürstenturm” oder “Waschanlage für Kaninchen”. Ich habe selbst zwei Tunnel mit Bürsten. Hier sollte man natürlich regelmäßig das abgebürstete Fell aus den Borsten sammeln und entsorgen.

Am meisten Spaß macht es natürlich, das Kaninchen beim Streicheln von den Haaren zu befreien – wenn es Streicheln denn mag, denn natürlich sollte dies nicht unter Zwang geschehen. Hierbei könnt ihr eure Hand leicht anfeuchten, dann bleiben die losen Haare daran kleben. Manchmal könnt ihr auch lose, hervorlugende Fellbüschel ganz leicht aus dem Tier zupfen. Achtung: aufhören, wenn ihr merkt, dass das Fell festsitzt! Das ist dann, als würde man euch an den Haaren ziehen!

Mythen

Leider gibt es im Internet viele Tipps, die angeblich noch beim Fellwechsel helfen sollen, die aber Blödsinn sind. Zum Beispiel das Verabreichen von Ananassaft. Hier wird davon gesprochen, dass ein bestimmtes Enzym die Kraft haben soll, die Haare aufzulösen. Probiert gerne einmal aus, einen verstopften Duschabfluss mit Ananassaft wieder freizubekommen. Es wird genauso wenig Wirkung zeigen wie beim Kaninchen. Dasselbe gilt übrigens auch für Kiwis.

Tipps und Tricks

Zum Abschluss des Beitrags habe ich noch zwei kleine, jedoch hoffentlich wertvolle und hilfreiche Tipps für euch.

Äste

Ich liebe es, den beiden Äste und Zweige zu holen. Wenn man hier ein paar mehr holt, so dass sie da viel hindurchlaufen und sich hineinsetzen, um an die saftigsten Blätter und leckersten Blüten zu kommen, bleibt das Fell auch dort schön hängen. Hier kann man es auch ganz leicht absammeln und stressfrei entsorgen.

Fusselbürste

Mein bester Freund und Helfer im Fellwechsel. Nicht, um die Kaninchen damit zu enthaaren, sondern um die Häuschen, Ebenen, Tunnel und die eigene Kleidung von dem ganzen Fell zu befreien. Das klappt wirklich super.

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Eine Antwort auf „Der Fellwechsel“

Sehe gerade, dass wir genau dieselben Bürsten haben😂 Bei Cuppi ist der Fellwechsel immer am schlimmsten und hat letztens, trotz Bürsten wieder Magenprobleme mit Notdienst ausgelöst 😵‍💫 Zum Glück liebt es Rodicare Hairball und verschlingt es gut🥰

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