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Äste und Zweige

Kirsch-, Weiden- und Weißdornzweige mit Blüten

Das Thema „Äste und Zweige“ ist eins eurer Wunschthemen. Es ist jedes Mal dabei, oft sogar mehrmals, wenn ich Umfragen mache, welche Themen ihr Euch auf dem Blog wünscht. Und auch in meinen privaten Nachrichten finde ich oft Fragen rund um das Thema Zweige erkennen und verfüttern.

Auch jedes Mal, wenn ich Zweige in meiner Story zeige, ist mein Postfach voll mit Fragen dazu. Deshalb versuche ich hier einmal so gut es geht alles zusammenzufassen, was ich so an Erfahrungen gesammelt habe.

Rechtliches

Zuerst eine Art Disclaimer.

Ich bin kein Anwalt. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung bei einem Juristen. Ich teile hier nur meinen aktuellen Wissensstand mit, um darauf aufmerksam zu machen!

Man darf nicht einfach jeden Zweig abschneiden und mitnehmen, wie man mag. In vielen Bundesländern ist dies gänzlich verboten! Es können Geldstrafen und Bußgelder drohen.

Bäume, genau wie Wiesen, gehören in der Regel jemandem, und wenn es der Gemeinschaft ist. Äste und Zweige aus dem eigenen Garten oder denen von Freunden, Bekannten, Nachbarn oder der Familie sind natürlich mit Erlaubnis immer in Ordnung.

Beschaffung

Kirsch-, Hainbuchen- und Pflaumenzweige mit Blättern und Blüten

Natürlich stellt sich nach dem kleinen rechtlichen Dämpfer die Frage: “Und woher soll ich dann Zweige bekommen?”

Wer nicht das Glück hat, selbst einen Garten mit Bäumen zu haben, hat ein paar Möglichkeiten zur Auswahl, die ich selbst auch nutze.

Bei diversen Verkaufsportalen im Internet werden manchmal Äste und Zweige zur kostenlosen Abholung angeboten, wenn jemand einen Baum auf seinem Grundstück zurückschneiden musste oder wollte.

Bei diversen Shops, die auf Kaninchen und Meerschweinchen spezialisiert sind, kann man frische Zweige von saisonalen Bäumen und Sträuchern aus deren Gärten kaufen. Je nachdem, wo ihr wohnt, kann man diese sogar manchmal selbst abholen.

Wenn ihr seht, wie in der Stadt, im Park oder auf dem Friedhof Bäume gestutzt werden, scheut euch nicht, die Arbeiter anzusprechen. Oft schenken sie euch ein paar Zweige.

Geht in Kleingärtenvereine und sprecht die Menschen dort an. Meistens sind die Reaktionen superlieb. Ihr könnt sie auch bitten, sich bei euch zu melden, wenn sie etwas zurechtstutzen, oder fragen, ob ihr mal Unkraut sammeln kommen dürft.

Fragt Arbeitskollegen, Freunde und Familie.

Die Webseite und App von mundraub.org kann euch helfen, Bäume und Sträucher zu lokalisieren, bei denen ihr etwas mitnehmen dürft.

Mit all diesen Methoden habe ich bisher selbst gute Erfahrungen gemacht. Und ihr wisst ja, dass ich oft und viele Zweige füttere. Nur Mut.

Wieso, weshalb, warum?

Schwarz-weißes Zwergkaninchen auf Balkon mit Hainbuchen- und Weißdornzweigen, Birkenästen und Trinknapf

Zweige bieten einen hohen Mehrwert in der Kaninchenhaltung und sind eine wertvolle Ergänzung zur grünen, frischen Ernährungsweise der Kaninchen. Auch in freier Wildbahn essen Kaninchen und Hasen Blätter, Rinde, Früchte und Holz von heruntergefallenen oder sehr niedrig hängenden Zweigen.

Neben heilsamen Eigenschaften finden sich in Zweigen wichtige Substanzen, sogenannte sekundären Pflanzenstoffe, die man meines Wissens nach teilweise nur in Zweigen findet. Deshalb gehören sie für mich auf jeden Fall ganzjährig zu einer ausgewogenen Ad-Libitum-Ernärung dazu.

Fun fact am Rande: durch Zweige habe ich mehr oder weniger erst getraut, Wiese zu pflücken. RHD 1 und 2 sowie Myxomatose haben mir panische Angst gemacht – trotz Impfung. Also habe ich mit Zweigen angefangen, weil ich mir sicher war, dass wilde und eventuell kranke Kaninchen diese nicht erreichen können und sie somit sicherer sind als Wiese.

Welche Bäume und Teile?

Anders als bei der Wiese gibt es bei den Bäumen viel weniger giftige Arten. Als Faustregel gilt: alle heimischen Laubbäume, Obstbäume und Nadelbäume sind zum verfüttern geeignet. Die meiner Meinung nach wichtigste Ausnahme ist hier die hochgiftige Eibe. Auf diese gehe ich später in diesem Beitrag ein.

Denkt an Bäume, die ihr als Kind schon erkennen konntet.
Wie bei der Wiese könnt ihr euch so langsam rantasten und in sicherem Gebiet bewegen.

Zum Beispiel die Kastanie und Haselnuss, die ihr auf Grund ihrer Früchte im Herbst selbst bestimmen konntet. Ahorn und Eiche haben so charakteristische Blattformen, dass ihr sie sicher erkennen konntet. Die schwarz-weiß gemusterte Rinde zeigt euch, dass dort eine Birke steht.

Ich nenne euch im folgenden die Arten, die ich schon selbst verfüttert habe. Hier könnt ihr euch gerne auf mich und meine Erfahrung verlassen, dass diese Bäume nicht gefährlich für eure Kaninchen sind.

Ausfühlichere und vollständige Listen findet ihr sicher auf anderen Seiten, zum Beispiel auf Kaninchenwiese.de.

Laubbäume

  • Birke
  • Eiche
  • Hainbuche
  • Rotbuche
  • Haselnuss
  • Walnuss
  • (Winter-)Linde
  • eingriffliger und zweigriffliger Weißdorn
  • Kastanie
  • verschiedene Weidenarten (Silberweide, Salweide, Korkenzieherweide, Trauerweide) – aber Achtung!
    Weiden bzw. Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz. Hier sehr vorsichtig sein, auch auf dem eigenen Grundstück.

Obstbäume

  • Kirsche
  • Apfel
  • Birne
  • Pflaume
  • Mirabelle

Nadelbäume

Hier habe ich bisher nur zwei verschiedene Arten angeboten.

  • Fichte
  • Kiefer

Kleine Eselsbrücke

Ihr erkennt Fichten an den kurzen, dicken Nadeln; Kiefern haben dagegen lange, dünne Nadeln. Vielleicht hilft euch hier eine Eselsbrücke weiter, die mir auch schon oft geholfen hat: “Fichte – kurzes i, kurze Nadeln. Kiefer – langes i, lange Nadeln.”

Sträucher und Anderes

Im Frühling ist die erste Art, die ihr oft und leicht finden und bestimmen könnt, die gelb blühende Forsythie. Wenn die Blüten verblüht sind, trägt der Baum, der mich meistens eher an einen hohen Strauch erinnert, grüne Blätter. Auch diese sind verfütterbar und beliebt.

Manche oben genannten Bäume werden gerne als Sträucher genutzt und so zurecht geschnitten. Zu diesen zählen:

  • Hainbuchen (gerne auf Park- und Spielplätzen)
  • Thuja (auch Lebensbaum genannt)
  • Kiefernarten (Küstenkiefer sehe ich hier am meisten)

Und natürlich gibt es noch Obststräucher.

  • Brombeere
  • Himbeere
  • Johannisbeere

Gerade im Winter ist der Bambus übrigens eine absolut geniale Nahrungsquelle für Kaninchen. Immergrün, winterhart und kalorienarm kann er vor allem in der kalten Jahreszeit helfen, das Nahrungsangebot aufzuwerten und mehr Vielfalt zu bieten. Er wächst superschnell nach und ist recht einfach in der Pflege. Man kann sich eine eigene Pflanze zum Beispiel auf den Balkon stellen.

Wir wollen das diesen Winter mal testen.

Baumteile

In den meisten Fällen sind alle Teile eines Baumes für die Kaninchen essbar und ungiftig – egal ob Blätter, Knospen, Blüten, Rinde oder das Holz selbst.

Lediglich bei manchen Früchten sollte man aufpassen.

À propos aufpassen: habt keine Angst vor Stacheln und Dornen. Die Kaninchen kommen mit so etwas super zurecht.
Ihr Fell schützt sie. Sogar im Mund haben Kaninchen ein wenig Fell, um sie vor Verletzungen zu schützen.

Solange ein Kaninchen gesunde Zähne hat, braucht ihr euch keinerlei Gedanken bei spitzen Pflanzenteilen zu machen – außer natürlich, wenn ihr selbst mit den Zwiegen hantiert.

Heilkräfte von Bäumen

Es klingt jetzt vielleicht esoterisch, aber genau wie einige Wiesenkräuter besitzen auch ein paar Bäume medizinische Wirkungen.

Weiden zum Beispiel haben in ihrer Rinde einen Stoff namens Salicin. Dies ist eine Vorstufe zu dem uns bekannten Aspirin und wurde früher von Menschen gegen Schmerzen und Fieber genutzt.

In Nadelbäumen sind ätherische Öle enthalten, diese sind super für die Schleimhäute und können bei Schnupfen helfen und natürlich auch das Immunsystem unterstützen.

Birke soll gut für die Blase sein.

Giftige Bäume

Die bereites oben genannte Eibe!

Ich gebe euch hier ein paar Tipps an die Hand, wie ihr eine Eibe, egal ob männlich oder weiblich, sicher erkennen könnt.

Weibliche Eiben haben diese typischen roten Früchte. Diese sind leicht zu erkennen: unten offen mit Sicht auf einen dunklen Kern. Diese sind auch für Menschen giftig und sollten auf keinen Fall gegessen werden.



Die Rinde der Eiben ist rötlich und sieht irgendwie trocken und gesplittert aus.

Die Nadeln sind superweich und biegsam. Sie pieksen gar nicht und fühlen sich ganz anders an als Fichtennadeln. Außerdem sind sie kürzer als Kiefernnadeln, da besteht also keine Verwechslungsgefahr.

Wenn ihr Hecken in Vorgärten seht, die dunkelgrüne Nadeln tragen, handelt es sich meistens um Eibe.

Leere Äste und Zweige

Sind die leckeren grünen Blätter und die bunten Blüten von den Kaninchen aufgegessen, bleiben leere Äste zurück. Diese sehen im ersten Moment vielleicht trostlos aus, aber lasst sie euren Kaninchen noch eine Weile liegen. Ihr werdet sehen, dass sie immer noch einen Mehrwert bieten können.

Zum Spielen, Zerstören, Knabbern und Rinde abnagen sind diese leeren Zweige ideal. Sie können auch darüber springen, und generell spricht ja nichts gegen Naturmaterial im Gehege.

Übrigens…

Genau wie beim Wiese pflücken lernt ihr mit der Zeit, wo welcher Baum steht. Ihr erkennt die Bäume dann in allen Stadien – ob in der Blüte, nur mit Knospen, in voller Pracht oder leer.

Denkt bitte daran: lasst die meisten Blüten für die Bienen und Schmetterlinge. Viele Tierarten brauchen die Pflanzen zum Überleben.

Aber Zweige und Sträucher dienen dem Tierreich nicht nur als Nahrungsquelle. Manche Tiere nisten auch dort, ziehen ihre Jungen auf oder nutzen sie als Schutz vor Fressfeinden und Wetter. Habt das einfach im Hinterkopf.

Und jetzt: viel Spaß beim Suchen, Bestimmen und Einsammeln der Zweige. Euren Kaninchen wünsche ich guten Appetit und viel Spaß.

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